«als goldenberg wieder in seinem Zimmer war, öffnete er beide hähne, schloss das fenster und machte es sich auf dem sofa bequem, der geruch war nicht unangenehm, und er wartete auf schlaf.» «der sechste sinn» hiess der Roman, aus dem der 31-jährige Konrad Bayer 1963 an der Tagung der «Gruppe 47» in Saulgau vorlas und – konkrete Poesie war der Dichterrunde
eher suspekt – freundliches Gelächter erntete. Bis auf den Verleger Rowohlt, der sich in den jungen Mann verliebte und den Roman gegen einen erheblichen Vorschuss erwarb.
Bayer, am 17.Dezember 1932 in Wien geboren, hatte schon als Schüler Gedichte geschrieben, war aber auf Wunsch des Va-ters Bankbeamter geworden, bis er 1957 gekündigt und ein Le-ben als freier Autor begonnen hatte. Im Kreis der Wiener Grup-pe profilierte er sich mit Texten, die den von den Nazis unter-drückten Tendenzen des Dadaismus und Surrealismus zu neu-er Geltung verhelfen und nicht Lesbares oder Verständliches, sondern Bewusstseinerweiterndes hervorbringen wollten. Er trat an Happenings der Wiener Gruppe auf und stilisierte nicht nur, was er schrieb, sondern auch seine Person auf auffällige, pro-vozierend-dandyhafte Weise. Einzige Publikation zu Lebzeiten war 1963 die Textcollage «der stein der weisen» («alles kann dies und jenes heissen./alles mag auch etwas anderes heis-sen.»). 1965 druckte Otto F. Walter posthum den Roman «der kopf des vitus bering». Der Nachtrag zum «sechsten sinn», den Rowohlt dann tatsächlich 1969 herausbrachte, beginnt mit dem Satz: «man muss sich umbringen, um die hoffnung zu begra-ben.» 1964 lud die «Gruppe 47», die diesmal im schwedischen Sigtuna tagte, Bayer erneut ein. Die Kritik an seiner Lesung fiel nun aber so niederschmetternd negativ aus, dass der ohnehin Verunsicherte an seinem Können endgültig irre wurde. Im nie-derösterreichischen Hagenberg versuchte er an seinem Roman zu arbeiten, reiste dann aber nach Wien und nahm sich da am 10.Oktober 1964 das Leben, indem er das Gas aufdrehte, sich auf ein Feldbett legte und den Kopf in den Backofen steckte.