«Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will», heisst es im Untertitel von Wolfgang Borcherts Schauspiel «Draussen vor der Tür». Das, wie es in der Vorbemerkung des Autors heisst, von einem von jenen handelt, «die nach Hause kommen und dann doch nicht nach Hause kommen, weil für sie kein Zuhause mehr da ist». Beckmann heisst der Russlandheim-kehrer von 1945, der seine Frau in den Armen eines anderen findet und von einer Gesellschaft, die möglichst schnell vergessen will, mit seinem steifen Bein, seiner komischen Brille und all den quälenden Kriegserlebnissen allein gelassen wird.
Nicht anders als Borchert selbst, der am 20. Mai 1921 in Hamburg das Licht der Welt erblickt hatte, Buchhändler und Schauspieler war, ehe er 1941 zur Wehrmacht eingezogen wurde, wegen der einzigen denkbaren Form der Verweigerung, der Selbstverstümmelung, aber schon bald die Gefängnisse von Nürnberg und Moabit kennen lernte. Am Ende bekam er «Feindbewährung» und floh 1945 aus französischer Gefangenschaft nach Hamburg, wo alle Versuche, Fuss zu fassen, durch ein sich rasch verschlimmerndes Leberleiden zunichte gemacht wurden.
So dass alles, was er hinterlassen hat, im Krankenbett entstanden ist: die Gedichte «Laterne, Nacht und Sterne», Erzählungen und Prosatexte wie «Die Hundeblume», «An diesem Dienstag» oder «Die Küchenuhr», das Pamphlet «Das ist unser Manifest», das mit seinem «Wir brauchen keine Dichter mit guter Grammatik!» der Literatur der «Stunde null» Kontur gab. Und eben «Draussen vor der Tür», das Stück, das im Gefolge einer legendären Hörspielausstrahlung - am 13. Februar 1947 im NWR - am 21. November 1947 an den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt wurde. Genau einen Tag nachdem Borchert im Basler Clara-Spital im Alter von 26 Jahren seiner Krankheit erlegen war.