«Gestern feierten wir bei uns den Bächtold, der den ‹Preis der Büchergilde› bekommen hat, wozu ich mächtig geschoben hatte. Ich sass im Preisgericht und musste mir vierzig Romane durch den Schädel jagen ...» So schrieb R.J. Humm am 6. November 1941 an Hermann Hesse. Prämiert worden war ein Heimkehrerroman, der zunächst Dürrenmatts ‹Alte Dame› vorwegzunehmen scheint: Als steinreicher Ölmagnat kehrt John R. Smith aus den USA in seine Klettgauer Heimat zurück, um sich für die miese Behandlung zu rächen, die er einst als Verdingknabe erfuhr. Aber sein Zorn erkaltet bald, und statt mit Racheakten überschüttet der Schlossherr und Grossbauer die Landsleute mit Wohltaten, bis er selber Bankrott macht und ins Armenhaus kommt. Nach einem schweren Unfall könnte er wieder aufsteigen und zu Amt und Würden kommen. Doch er verschmäht all dies und kehrt ins Armenasyl zurück, um den Ärmsten der Armen zu dienen.
Unter dem Titel ‹Der Ausgestossene›hatte Albert Bächtold den Stoff bereits 1936 bearbeitet und erfolglos beim Wettbewerb des Schriftsteller-Vereins eingereicht. jetzt, 1941, hiess der Roman ‹De goldig Schmid›, und das Spektakuläre daran war, dass er diesmal vollständig in Klettgauer Mundart daherkam. «Schomächerli, Schomächerli, wa choschted miini Schue? Zwaa Bätzili, zwaa Bätzili, und d Negili derzue», singen die Kinder, als der «Amerikaner» kommt. «Mäi das ischt e Gfüel», meint dieser einem früheren Schulkameraden gegenüber, «siine ehmoolige Päinigere gegenüberschtoo und wüsse, das me alli Trümpf in Hände hät! »
Gewiss, geistige Landesverteidigung und Rückbesinnung auf Heimatliches standen Bächtolds Erfolg von 1941 Pate, und doch hat «De goldig Schmid»seine Frische bis heute nicht eingebüsst. Ein Dutzend Seiten lang macht die Sprache zwar Mühe, doch dann bereitet die Lektüre auch Nichtschaffhausern ein köstliches Vergnügen. Und wer sich weiter informiert, erfährt, dass dieser Bächtold, der ein erfolgreicher Kaufmann war, ehe er nach dem Bankrott zur Schriftstellerei und auf Anregung Humms zur Mundartepik überging, sein ganzes Leben zu einem monumentalen, vielbändigen Roman-Epos in Klettgauer Mundart verarbeitet hat. «De Tischteifink», «Hannilipeter», «Studänt Räbme» und «Pjotr Iwanovitsch»heissen die wichtigsten dieser Bücher, in denen der vielgereiste Dichter alle handelnden Figuren, sogar Russen und Amerikaner, den Dialekt seiner Kinderheimat Wilchingen sprechen lässt.
Als Bächtold 1981 mit 90 Jahren im zürcherischen Grüningen starb, stellte sich heraus, dass der konservative «Klettgauer Homer» in Erlenbach am Zürichsee Bauland in Millionenwert besessen und das Geld testamentarisch dazu bestimmt hatte, «die Neuauflage vergriffener Werke und das Entstehen einschlägiger Sekundärliteratur zu finanzieren». Ein Zweck, wozu die vorhandene Summe, ob man die kapitalistische Nachruhm-Versicherung nun für glücklich hält oder nicht, mindestens bis ins Jahr 2 500 ausreichen sollte! So kommt es, dass in zwei Schaffhauser Verlagen auch heute noch nicht nur sämtliche Werke Albert Bächtolds, sondern auch eine einfühlsame Bächtold-Biographie aus der Feder Kurt Bächtolds lieferbar ist.