«Hier gab es keinen Herbst mehr, ausser für die Bäume. Ein Jahr später fielen Kastanien und Eicheln ungehört auf die Wege, die schon vergrast waren und den Klang der Schritte geschluckt hätten – aber es gab keine Schritte mehr. Vom zögernden Wind getragen, wehten Blätter den Abhang hinunter, häuften sich formlos und verschreckt aufeinander, vor den allzu klaren Umrissen des Verfalls.»
Der Herbst  und  die Vergänglichkeit die er verkörpert, ist die Jahreszeit der Erzählerin  Elizabeth Bowen, die am 7.Juni 1899 in Dublin als Tochter einer seit langem in Irland ansässigen britischen Familie geboren wurde, lange in London lebte und am 22.Februar 1973 in der gleichen, inzwischen von England unabhängig gewordenen Stadt Dublin starb.  «The last September» heisst denn auch der eingangs zitierte Roman von 1929, der am Beispiel von Sir und Lady Naylor und deren unglücklich verliebter Tochter Lois  den Untergang der nicht mehr lebensfähigen britischen Adelswelt darstellt und mit der Brandschatzung von der Naylor-Domäne Danielstown durch die Sinn-Féin endet. Nicht weniger beklemmend wirkt der 1964 publizierte späte Roman «The little Girls», der die 60jährige Dina den Versuch unternehmen lässt, ihre Kindheit in der Erinnerung nochmals lebendig zu machen. Aber was sie wiederfindet, ist nicht Wirklichkeit, sondern Fiktion und lässt sie auf den Gedanken verfallen, dass überhaupt nichts mehr wirklich sei. Auch «The Death of the Heart» von 1938, Elizabeth Bowens erfolgreichster Roman, schildert ein Frauenleben in einer bedrohten und frauenfeindlichen Welt und ist um so berührender, als es sich diesmal um eine 16jährige handelt, die in den Verstrickungen und Hypotheken ihrer Familie und in einer gescheiterten Liebe bereits allen Lebensmut verliert. Obwohl da und dort auch ein sehr britischer Humor mitspielt, dürfte Sean O'Faolain doch recht gehabt haben, als er Elizabeth Bowens  Romane «Kunstgebilde aus Katastrophen-Bausteinen» nannte.