«Wenn ein Roman nicht wie ein Regenwurm in zehn Stücke ge-schnitten werden kann und jeder Teil bewegt sich selbst, so taugt er nichts.» Der Berliner Kassenarzt Dr. Alfred Döblin hatte eben den Novellenband «Die Ermordung einer Butterblume» publiziert und arbeitete am Roman «Die drei Sprünge des Wang-lun», als er 1913 im «Sturm» zur Erneuerung des Ro-mans aufrief.  Aus der Psychiatrie, die Döblin studiert hatte, aber auch vom Kino solle er lernen und statt linear zu erzählen lieber Bilder montieren. Das praktizierte er nicht nur im «Wang-lun», wo Berliner Szenen  chinesisch verschlüsselt sind, son-dern auch im «Wallenstein», den er als Arzt im Krieg schrieb; in der Weltzerstörungsutopie «Berge, Meere und Giganten» (1924) und nicht zuletzt im Grossstadtroman «Berlin Alexander-platz»(1929), in dem Thomas Mann neidlos  «einen grossartig gelungenen Versuch» erkannte, «die proletarische Wirklichkeit unserer Zeit in die Sphäre des Epischen zu heben.»
1933 sah sich Döblin seiner jüdischen Herkunft wegen zum Exil gezwungen, obwohl er schon 1912 aus der jüdischen Gemein-de ausgetreten war. 1936 wurde er Franzose, 1940 floh er in die USA , 1945 kam er als französischer Beamter ins besetzte Deutschland zurück. Die im Exil verfassten Romane («Amazo-nas»,  «November 1918») aber interessierten kaum noch, und «Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende» konnte 1956 nur in der DDR erscheinen. Erst nach dem Tod des 79jährigen am 26.Juni 1957 zeichnete sich ab, dass Autoren wie Grass oder Rühmkorf sich ihn und nicht den konventionelleren Tho-mas Mann zum Vorbild nahmen.
Und das Persönliche hinter der brillanten Form? Ist überall diskret vorhanden. Sogar in der «Ermordung einer Butter-blume», die nicht nur auf die Beobachtung blumenköpfender Buben im Freiburger Schlosspark, sondern auch darauf zurückgeht, dass der Medizinstudent eine Freiburgerin  schwängerte und mit dem bald darauf verstorbenen Kind sitzen liess...