«Die rote Fahne fliegt voran der Bürgerwehr, sie fliegt voran dem Heere –/ Die Throne gehn in Flammen auf, die Fürsten fliehn zum Meere! / Die Adler fliehn; die Löwen fliehn; – die Klauen und die Zähne! – / Und seine Zukunft bildet selbst das Volk, das souveräne!» – «Die Toten an die Lebenden» hiess das Gedicht, das im Juli 1848, während in Frankfurt die Natio-nalversammlung tagte und es schien, als ob der Aufstand der Bürger die deutschen Fürsten und Könige zu entmachten ver-möchte, in 9000 Exemplaren verbreitet wurde. Mit einem Pa-thos, das der am 17.Juni 1810 in Detmold geborene Ferdinand Freiligrath ab 1830 mit seinen beliebten exotischen Gedichten («Der Scheik am Sinai») eingeübt hatte, liess er nun die März-gefallenen die Überlebenden zur Rebellion aufrufen. Worauf er zwar verhaftet wurde, aber zu populär war, als dass das Düsseldorfer Gericht ihn hätte verurteilen können.
Zum Revolutionär war Freiligrath, der noch 1842/43 eine könig-liche Dichterpension bezogen hatte, 1845 in Zürich-Hottingen geworden, wo der Verächter jeglichen politischen Engagements im Umgang mit linken Emigranten kommunistische Positionen übernommen hatte. «Ça ira!» hiess das 1846 in Herisau publi-zierte Bekenntnis zur Revolution, und nach dem Zwischenspiel in Düsseldorf wurde Freiligrath im Oktober 1848 denn auch von Karl Marx nach Köln an die «Neue Rheinische Zeitung» beru-fen, wo er weitere feurige Revolutionsgedichte publizierte. Nach der Niederlage der Bewegung entging Freiligrath 1851 einer er-neuten Verhaftung durch die Abreise nach London, wo er – die Ehe mit Ida Melos hatte sei 1841 sechs Kinder hervorgebracht, die ernährt sein wollten – zunächst als Kaufmann und ab 1856 als Filialleiter der «General Bank of Switzerland» arbeitete. Als er 1865 entlassen wurde, ermöglichte ihm eine Nationalspende die Rückkehr nach Deutschland, wo er 1871 das neue Kaiser-reich mit «Hurra Germania!» begrüsste und bei seinem Tod am 18.März 1876 zur Stütze jenes monarchischen Nationalismus geworden war, den er einst so leidenschaftlich bekämpft hatte.