«Zwischen Kirkenes und Bari» hiess 1952 der Erstling des 28jährigen Wieners Gerhard Fritsch. Der Student und Redakteur der Lyrik-Zeitschrift «Lynkeus» evozierte in Vers und Prosa ernüchtert die Jahre, die er bei der Wehrmacht und in russischer Gefangenschaft verbracht hatte. Vier Jahre später gelang ihm der Durchbruch mit «Moos auf den Steinen», einem Roman, den Österreich aller Melan-cholie zum Trotz als Plädoyer für die Versöhnung von Tradition und Gegenwart begriff: Jutta und ihr Verlobter Petrik hätten nach 1950 neues Leben in das verfallende, noch ganz im Banne der k. u. k. Monarchie stehende Familienschloss gebracht, wäre Petrik auf dem Höhepunkt der Aufbruchsstimmung nicht einem Unfall zum Opfer gefallen. So ziemlich das Gegenteil, nämlich das Fortwirken der unaufgearbeiteten Nazivergangenheit, thematisierte 1967 der Roman «Fasching». Er handelt von Felix Golub, der 1944 aus der Wehrmacht desertiert, von einer Baronin versteckt, als Frau verkleidet und zu ihrem Dienstmädchen und heimlichen Liebhaber gemacht wird, aber unversehens zum unfreiwilligen Helden avanciert, als er den deut-schen Ortskommandanten, der auf die Verkleidung hereinfällt, zu entwaffnen und zur Kapitulation zu zwingen vermag. Bei den Russen denunziert, kommt Golub nach Sibirien, taucht aber zehn Jahre später wieder auf und erinnert die längst zu Demokraten gewandelten Dorf-bewohner so sehr an ihr damaliges Mitläufertum, dass sie ihn in zy-nischer Perfidie erneut in Frauenkleider stecken und als Faschings-prinzessin umjubeln, bis der Übermut in Wut kippt und sie ihn gelyncht hätten, wäre ihnen die Baronin nicht in den Arm gefallen. 
«Fasching» war ein totaler Flop. Es hagelte Verrisse,  und Fritsch ging trotzig zu einem Buch namens «Katzenmusik» über, das ihn mit seinem Anarchismus und seiner entfesselten Erotik, wäre es zu Lebzeiten erschienen, endgültig zur Unperson gemacht hätte. «Man darf nicht leben, wie man will», notierte sich der 45jährige ins Ta-gebuch, ehe er sich am 22.März 1969 erhängte. In Frauenkleidern, als wolle er an den Roman «Fasching» anknüpfen, mit dem er Österreich einen ebenso träfen wie unwillkommenen Spiegel vorgehalten hatte.