«Mein Ideal steht nicht länger in den Sternen», dichtete der 18jährige lungenkranke Franzose Eugène Grindel 1913 in Clavadel, nachdem er die Russin Helene Dimitrevna Diakonova kennengelernt hatte. Nicht nur der erste Lyrikband, «Loisirs», war dieser Gala gewidmet, auch der zweite, 1916 in 17 Exemplaren gedruckte Band «Le Devoir», den er als ersten mit dem Pseudonym Paul Éluard zeichnete, war eine Hommage an die grosse schlanke Frau mit dem kuriosen russischen Akzent. Wie denn für Éluard überhaupt das ganze Leben ohne Unterbruch aus Liebe zu bestehen hatte und sein lyrisches Werk im wesentlichen eine Verherrlichung der Frau und der Liebe ist. Was sich sehr wohl mit seiner Einbindung in die surrealistische Bewegung vereinbaren liess und auch durchaus nicht zu Ende war, als Gala sich 1924 vorübergehend Max Ernst und 1932 endgültig Salvador Dalí zuwandte. Auf Gala folgte Nusch, das Modell Picassos und Man Rays, bei dessen Tod Éluard 1946 fast durchdrehte. Und noch 1951, ein Jahr vor seinem Tod am 18.November 1952, heiratete er Dominique Lemor, der sein letzter Lyrikband, «Le Phénix», gewidmet ist: Ein Buch, das wie den Phönix aus der Asche die neue und immer wieder neu verherrlichte Liebe aus Geduld, Zuversicht und Hoffnung herauswachsen lässt.
Der Dichter der Liebe konnte aber ebenso zum leidenschaft-lichen Kämpfer für Freiheit und Menschenwürde werden. Im Gedicht «Liberté» etwa, das 1940 am Anfang jener Widerstandslyrik stand, die von Flugzeugen über dem besetzten Frankreich abgeworfen wurde und vielen Mut zum Durchhalten gab. Wie denn überhaupt nur derjenige, der von seinem gesellschaftspolitischen Engagement nichts weiss, darüber erstaunt sein kann, dass der Mann, der Frankreichs sinnlichste Liebesgedichte schrieb, auf dem Friedhof Père-Lachaise in jener Reihe bestattet liegt, die der Prominenz des Parti Communiste Français vorbehalten war.