«Dein Rachen sucht lauter Verderben/ Und wann nur viel Fromme   ersterben/von Deiner vergälleten Zungen/so meinst du/es sey dir gelungen!»  Was als psalmenartiges Kirchenlied daher kam und 1666 in der ersten Lieferung von «Pauli Gerhardi Geistlichen Andachten» gedruckt wurde, richtete sich in Wirklichkeit gegen Friedrich Wilhelm von Preussen, den Grossen Kurfürsten, der  sein calvinistisches mit dem vorherrschenden lutheranischen Bekenntnis versöhnen wollte und von den Lutheranern Toleranz forderte. 
Paul Gerhardt, am 12.März 1607 in Grafenhainischen bei Dessau geboren, Absolvent der Fürstenschule von Grimma und der streng lutheranischen Universität Wittenberg, widersetzte sich dem Potentat, obwohl er selbst es nach einer Lehrzeit als Pfarrer in Mittenwalde gerade mal zum dritten Diakon an der Berliner Nikolaikirche gebracht hatte. Calvinisten seien keine Christen, befand er und weigerte sich , das Toleranzedikt zu unterzeichnen. Auch den Kompromiss, sich ohne Unterschrift im Sinne des Edikts zu verhalten, liess sein «armes Gewissen» nicht zu, und so wurde er 1667 vom Amte suspendiert und lebte bis zu seinem Tod am 27.Mai 1676 als Archidiakon von Lübben im Spreewald.
Schon 1647, als Gerhardt Hauslehrer und Aushilfsprediger in Berlin war,  hatte Johannes Crüger 18 Kirchenlieder von ihm in sein Gesangbuch «Praxis Pietatis Melica» aufgenommen.  Lieder, die sich auf Bibel und Psalmen stützten, im Sinne Luthers dogmatisch korrekt waren und in Stimmung und Pathos doch auch die Erfahrungen einer schweren, durch Pest und Tod und obrigkeitliche Willkür bestimmten Zeit  verrieten. 120 Lieder oder geistliche Andachten hat Gerhardt hinterlassen, von denen eine ganze Anzahl seinem Urheber zum Trotz auch 400 Jahre nach seiner Geburt noch Gemeingut fast aller christlichen Bekenntnisse sind: «O Haupt voll Blut und Wunden», «Lobet den Herrn», «Nun ruhen alle Wälder», «Geh aus mein Hertz und suche Freud».