«Wir alle kommen von Gogols Mantel her», sagte Dostojewskij und spielte damit auf die Novelle «Der Mantel» an, die Nikolaj Gogol 1842, im gleichen Jahr wie «Die toten Seelen», veröffentlicht hatte. Was im Roman dem Erzähler in den Mund gelegt ist, dass er nämlich «das ganze schreckliche und erschütternde Schlingpflanzengewirr von Kleinigkeiten, die unser Leben bestimmen» an den Tag bringen wolle, trifft auch auf diese Novelle zu, wo ein armer Beamter sich nur einen einzigen Abend an dem während Jahren ersparten Mantel freuen kann, eher er ihm gestohlen wird und er an Unterkühlung stirbt, um als Gespenst wieder zu erscheinen und seinen Peinigern seinerseits die Mäntel zu rauben. Der Mix aus Realismus und Phantastik zeichnet schon die Erzählung «Die Nase» von 1836 aus, in der ein gewisser Kowalew eines Tages ohne Nase erwacht, ihr aber auf der Strasse in der Uniform eines Staatsrats begegnet. Nicht zu reden von den «Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen», wo der letztere aus dem Briefwechsel zweier Hunde von der Untreue seiner Geliebten erfährt. – Gogol, der am 1.April 1809 im ukrai-nischen Welyki Sorotschynzi geboren wurde und erst Beamter, dann Lehrer und zuletzt Professor in St.Petersburg war, wurde zu zwei Werken von Puschkin angeregt. Zur Komödie «Der Revisor» von 1836, wo ein Provinznest auf entlarvende Weise auf einen falschen Revisor hereinfällt, und zum Roman «Die toten Seelen», dieser gespenstischen Satire über einen Betrü-ger, der «tote Seelen», d.h. tote, aber auf den Steuerlisten noch figurierende Leibeigene kauft und damit die Banken hereinlegt. Gogol, der selbst nie Liebe erlebte und dennoch nicht nur die realistische und groteske, sondern auch die sozial engagierte Literatur auf geniale Weise vorwegnahm, geriet zuletzt unter den Einfluss eines religiösen Fanatikers und fastete sich am 4.März 1852 43jährig zu Tode. 1836 war er auch in der Schweiz gewesen, die ihm aber nicht gefiel. «Ein Panorama nach dem andern, so dass mir davon schon ganz übel wurde», fasste er die Eindrücke in einem Brief zusammen.