In der ersten Nacht schläft es zum Entsetzen der Grossmutter nach Indianerart am Boden, das «kleine Negerli», das ihr Sohn im bolivianischen Esperanza mit der Indianerin Delicia gezeugt hat und das nun – wir schreiben 1927 und Eugen ist zwei Jahre alt – bei den Grosseltern in Herrliberg am Zürichsee aufwach-sen soll. Bald aber geht’s ganz europäisch gesittet weiter: mit dem Schulbesuch in Zürich, einem Stage im Hotel Storchen, dem Versuch, Berufsmilitär zu werden, und endlich mit Phil. I und Nationalökonomie in Bern. Angeregt durch Max Bill und Ri-chard P. Lohse, findet Eugen Gomringer, so heisst der Student und freie Mitarbeiter des «Bund» mit vollem Namen, von seinen romantischen frühen Gedichten zu einem radikal konkreten Stil und gründet 1953 im Café Rio mit Marcel Wyss und Dieter Roth die Avantgarde-Zeitschrift «Spirale». «Konstellationen» nennt er die im gleichen Jahr publizierten ersten konkreten Gedichte, in denen die Anordnung der Worte wichtiger ist als ihr – durch freie Assoziationen und nicht durch logische Verknüpfung be-stimmter – Gehalt. «Vater der deutschen Nachkriegsmoderne» wird Karl Riha ihn 1995 im Rückblick nennen, und früh schon erkennt Max Bill seine Bedeutung und holt ihn 1954 als Sekre-tär an die Ulmer Hochschule für Gestaltung.1958 steht er wie-der zur Disposition und muss, bis er 1978 Dozent an der Kunst-akademie Düsseldorf wird, die Pasion für die brotlose konkrete Poesie als Propagandachef der SIA in Frauenfeld und Kulturbe-auftragter von Rosenthal-Porzellan in Selb finanzieren. Und an-dere Passionen auch, schenken ihm die Bernerin Klara Stöckli und die deutschen Partnerinnen Marianne Heide und Nortrud Ottenhausen bis 1980 doch sieben Söhne und die Tochter No-ra-Eugenie, die seit 2000 als Slam-Poetin Furore macht. Dozent in aller Welt, mit unzähligen Preisen geehrt und fast schon sei-ne eigene Legende, versöhnte sich Gomringer, geboren am 20.Januar 1925, im achten Jahrzehnt mit der Tradition: ein 2008 erschienenes Buch enthielt 19 gereimte Sonette und endete mit: «dir nortrud dank geglückt ist das bezweckte».