«Los, Don Camillo, einen Kinnhacken!» Fast so berühmt wie Stan und Laurel waren sie in der Verkörperung durch Fernandel und Gino Cervi, der witzig-draufgängerische Pfarrer Don Camillo und der kommunistische Sindaco Peppone, die den «piccolo mondo» des Dorfes in der Po-Ebene mit ihren Querelen und Streichen in Atem hielten. So harmlos das in den Verfilmungen anmutet: Giovanni Guareschi, ihr Erfinder, gehörte als Satiriker und Publizist zu den wenigen Mutigen, die das italienische Erzübel Korruption furchtlos bekämpften.
Gleich schon nach seiner Geburt  am 1.Mai 1908 war Guareschi den auf der Piazza von Fontanella di Roccabianca versammelten Sozialisten vom Küchenfenster aus als künftige Hoffnung der Gerechtigkeit präsentiert worden. 1932 wurde er nach abgebroche-nem Jus-Studium Redaktor von Rizzolis Satireblatt «Bertoldo», wo die ersten Don-Camillo-Geschichten erschienen. Wegen Belei-digung Mussolinis – nicht in der Zeitung, nachts auf der Strasse! – kam er 1942 ins Gefängnis und dann zwangsweise in den Kriegs-dienst, wo er 1943 für fast zwei Jahre  in deutsche Gefangenschaft geriet. Freigekommen, gründete er 1945 die Wochenzeitung «Can-dido», die er bis 1957 leitete. 1951, als «Don Camillo und Peppone» in die Kinos kam – der Roman war 1948 erschienen –  bekam er 8 Monate bedingt wegen einer Karikatur, die Staatspräsident Luigi Einaudi zwischen zwei Weinflaschen zeigte. 1954 druckte er das Faksimile eines Briefes von Ministerpräsident de Gaspari aus dem Jahre 1944 ab, worin dieser die Engländer aufgefordert hatte, «den letzten moralischen Widerstand» der römischen Bevölkerung mit Bomben zu brechen. Guareschi kam dafür 12 Monate ins Gefäng-nis, wo er «Die grosse Schlacht des Don Camillo» schrieb. Nach der Entlassung begann eine üble Hetzkampagne gegen ihn, und während die Verfilmungen seiner Romane zu Welterfolgen wurden, empfand er sich selbst immer deutlicher als Opfer der korrupten italienischen Politik. Als er am 22.Juli 1968 in Cervia starb, folgten nur wenige seinem Sarg. Für die Politiker war er ein Denunziant, den Intellektuellen war er zu banal, und die einfachen Leute, die von den Don-Camillo-Filmen begeistert waren, wussten vielfach nicht einmal, dass die Geschichten von ihm stammten.