Friedrich Glauser

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

«Der Friede? Worin besteht der Friede? Ranglisten und Beförderungen, verhinderter Ehrgeiz, Lügen, Warenhäuser, Zwischenhandel und organisierte Verdauung. Einer macht den andern fertig, damit er selbst besser lebt. Kann er es nicht, kauft er ihn, und das heisst dann Gemeinschaft. Der Alltag, von Hass und Gereiztheiten keuchend; Tobsüchte über Lächerlichkeiten, über lästige Einladungen und verspätete Mahlzeiten. Und im Keller die Bestien, die man aussperrt und die gern heraufmöchten? Das alles erhalten, das wiederherstellen? Ist das die Opfer derer wert, die da fallen? »
Einem Offizier von Hitlers Luftwaffe sind die Worte in den Mund gelegt, einem jener 23jährigen, die 1943 geopfert wurden, um die alliierte Lufthohheit zu brechen, und die, weil sie die Übermacht kannten, früh darum wussten, wie aussichtslos ihr Kampf war.  Kaum je ist das Desperadotum des Soldaten, das «vivere pericolosamente» des Haudegens, träfer, einleuchtender, aber auch chauvinistischer umgesetzt worden als in diesen Sätzen, die  der am 15.September 1908 in Oberriexingen/Württemberg geborene Pfarrersohn Gerd Gaiser der Hauptfigur seines 1953 erschienenen Romans «Die sterbende Jagd» in den Mund legte.
Er war Theologie-, dann Kunststudent gewesen,  hatte 1941 die regimekonformen Gedichte «Reiter am Himmel» publiziert und bis  in die letzten Kriegsmonate hinein zu jenen Jagdfliegern gehört,  die er zehn Jahre danach nach griechischem Muster zu Helden einer sterbenden Jagd stilisierte. 
Als Gaiser am 9.Juni 1976 in Reutlingen starb, war sein umfangreiches Werk bis auf zwei Ausnahmen längst vergessen: «Schlussball», der 1958 publizierte melancholische Roman der Vorkriegsgeneration, die im Nachkriegsdeutschland von den längst diskreditierten früheren Traditionen nicht loskommt– und eben «Die sterbende Jagd», das Fliegerepos, das Gaiser berühmt machte, weil es beim falschen Publikum den falschen Erfolg  hatte.


Er kam am 4. Februar 1896 in Wien zur Welt und Estarb am 9. Dezember 1938 zwelundvierzigjährig in Nervi bei Genua: Friedrich Glauser, jener Schweizer Schriftsteller, den man sich - nicht nur der Lebensdaten wegen! - auch Jahrzehnte später noch nicht anders denn als jugendliche Erscheinung denken kann. Daran ist sicher seine unbekümmerte, frische Art zu schreiben schuld, aber auch seine Biographie, die ihn als einen ewig beunruhigten, gehetzten Menschen zeigt. »Ich komme mir«, schrieb er am 29. Januar 1937 Martha Ringier, »manchmal wie ein abgehetzter Hase vor, der sich in einer Ackerfurche vor den Hunden gerettet hat - die Hunde: Behörde, Amtsvormundschaft, Psychiater, Strafanstaltsdirektoren. Man hat ein wenig den Schnauf verloren; das muss sich alles zuerst beruhigen, bevor es ein wenig Frucht tragen kann - soweit ein Gejagtsein Früchte tragen kann.«
Die »Ackerfurche«, in die sich der Vierzigjährige aus dem Teufelskreis von Sucht und Verwahrung gerettet hatte, lag im französischen Dorf Angles: eine winzige Gemüsefarm, die Glauser mit der Lebensgefährtin Berthe Bendel zusammen bewirtschaften wollte. Und die »Früchte des Gejagtseins«? Kurzprosa des interessanten Morphinisten und Anstaltsinsassen war schon seit Jahren in den Zeitungen zu lesen gewesen, aber erst 1936 erschienen zwei Bücher von ihm: Wachtmeister Studer und Matto regiert. Es folgten - zumeist erst posthum - die andern Studer-Krimis Die Fieberkurve, Krock & Co., Der Chinese, Der Tee der drei alten Damen und der Legionsroman Gourrama.
In Angles aber fand Glauser die erhoffte Ruhe nicht. Das Klima war mörderisch, die Autorenhonorare reichten nirgends hin. In die Schweiz zurückkehren jedoch wollte Glauser um keinen Preis: »Ich weiss, wie die erstickende Luft in der Schweiz auf mich wirkt; die Schweiz ist nie meine Heimat gewesen, wenigstens kann ich sie nicht so empfinden.« So zog er, als Angles unzumutbar wurde, mit Berthe in die Bretagne, versuchte nach Tunis zu gelangen und landete zuletzt in Collioure bei Perpignan. Aber erst in Nervi, geplagt von Hunger, Kälte und den deprimierenden Folgen einer Basler Entziehungskur, sah sich Glauser Ende 1938 zur Kapitulation gezwungen. Plötzlich schien ihm nun, »als brauche ich die Schweiz, als sei sie meine Heimat - und wolle ich über sie schreiben, müsse ich in diesem Lande wohnen. Was willst Du, man wird alt und sucht nach einer festen Stelle, an der man hocken kann und Gemüse pflanzen.« Dem Verleger offerierte er nun einen »Schweizer Roman« für die Landesausstellung 1939, bat ihn jedoch, rasch »etwas für den Glauser zu tun, der nicht mehr wei ter weiss«.
Rein äusserlich bereitete sich ein Happy-End vor: Am 7. Dezember 1938 wollten Glauser und Berth heiraten, dann würde man in die Schweiz zurückkeren. Aber am Vorabend der Trauung versank Glauser - vermutlich nach einer Überdosis Schlaftabletten - unversehens in jene tiefe Bewusstlosigkeit, aus der er nie mehr erwachen sollte. »Bitte teilen Sie mir doch mit«, bat Emmy Ball-Hennings den Verleg Witz, »warum dieser seltsame liebe Mensch eigentlich gestorben ist. Am Leben oder an einer bestimmten Krankheit?«
Gerhard Saners Glauser-Biographie ist bei Suhrkamp, die Krimis sind bei Diogenes und Arche greifbar. Arche bietet auch Glausers Briefe, herausgegeben von Manfred Papst und Bernhard Echte, an. Im Limmat-Verlag erschien, im wesentlichen betreut von Bernhard Echte, zwischen 1992 und 1995 eine kommentierte Neuausgabe der Romane und Erzählungen.
(Literturszene Schweiz)

Glauser, Friedrich

, *Wien 4.2.1896, ƒNervi (Italien) 8.12.1938, Schriftsteller. Der Sohn eines Berners und einer Österreicherin war ab 1910 Zögling des Landerziehungsheims Glarisegg und dort Schüler O. von Greyerz'. Die Matura machte er nach einem Genfer Zwischenspiel, wo er in franz. Sprache erstmals als Erzähler hervorgetreten war, an einer Zürcher Privatschule. Während eines bald abgebrochenen Chemiestudiums kam G. 1916 mit der Zürcher Dada-Bewegung in Kontakt, die zwar sein literar. Werk kaum beeinflusste, ihn jedoch mit dem Morphium konfrontierte, von dem er dann sein ganzes Leben nicht mehr loskommen sollte. Nachdem er 1918 auf Antrag seines Vaters entmündigt worden war, kam er nach versch. psychiatr. Kliniken 1920 ins Zürcher »Burghölzli«. Hier schrieb er sein erschütterndes »Tagebuch aus dem Irrenhaus« (1979 von C. Linsmayer im Sammelbd. »Morphium« erstmals veröffentlicht). 1921-23 diente er in der Fremdenlegion in N-Afrika, was in »Gourrama« (R., 1940) seinen literar. Niederschlag finden sollte. Nach deprimierenden Erlebnissen in Paris und Belgien kehrte G. 1925 wieder in die Schweiz zurück, wo erneut das unablässige Hin und Her zw. Internierung und Freilassung auf Bewährung begann. Das Anstaltsleben hatte allerdings nicht nur negative Seiten für G., gewann er doch in Direktor Kellerhals von Witzwil oder Dr. M. Müller von der Klinik Münsingen auch Freunde, welche die Entstehung seines literar. Werks förderten. Der Durchbruch gelang ihm aber erst 1936 mit dem 1934/35 in der Anstalt Waldau entstandenen Kriminalroman »Wachtmeister Studer«, der erstmals die Gestalt des behäbigen, auf der Seite der Benachteiligten stehenden Berner Fahnders in Aktion treten liess. Weitere Auftritte verschaffte G. diesem »schweiz. Maigret« im Irrenhaus-Roman »Matto regiert« (1936), in der in Paris spielenden »Fieberkurve« (1938), in »Der Chinese« (1939) und in »Krock & Co.« (1941). Ohne Wachtmeister Studer kam einzig »Der Tee der drei alten Damen« (1941) sowie der Legionsroman »Gourrama« aus, der gewisser homoerot. Anklänge wegen lange keinen Verlag fand und wie die meisten Romane erst nach dem Tode von G. gedruckt wurde. Gleichzeitig mit dem sich anbahnenden Erfolg war es G. auch gelungen, sich mit Hilfe seiner Lebensgefährtin Berthe Bendel, einer Psychiatrieschwester, aus dem Teufelskreis von Sucht und Verwahrung zu befreien und ab 1936 in Frankreich (Angles bei Chartres, Collioure bei Perpignan) sowie in Italien (Nervi bei Genua) in relativer Ruhe an seinen Werken zu arbeiten. Am Tag, an welchem seine Hochzeit stattfinden und er von der Bevormundung befreit werden sollte, starb G. nach der Einnahme einer Überdosis Schlaftabletten.
Nachdem sein Werk zunächst durch die Verfilmungen L. Lindtbergs berühmt geworden war, geriet es weitgehend in Vergessenheit, bis im Gefolge des allg. kulturellen Aufbruchs von 1968 eine zweite, vertiefte Rezeption einsetzte, die weit über die Schweiz hinaus zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem als Vorläufer eines modernen, gesellschaftskrit. Kriminalromans betrachteten Autor führte. Sein erzählerisches Werk kam in versch. Neuausgaben wieder auf den Markt, es entstanden neue Verfilmungen und Comic-strip-Bearbeitungen, der Briefschreiber G. wurde entdeckt (»Briefe«, hg. von B. Echte und M. Papst, 2 Bde., 1988/91), und G. Saner lieferte mit seiner über 900seitigen G.-Biographie (1981) eine Darstellung von Leben und Werk, wie sie in dieser Ausführlichkeit bisher kein zweiter moderner Schweizer Autor erhalten hat. Sein Werk liegt zu einem bed. Teil auch in ital. Übersetzung vor. … Lit.: Leber, H.: Annäherung an F.G., in: Werkausgabe, Bd. 1, Zürich 1974; Ruoss, H.: F.G. Erzählen als Selbstbegegnung und Wahrheitssuche, Diss., Bern 1979; Göhre, F.: Zeitgenosse G. (Bildmonographie), Zürich 1988.
Im Limmat-Verlag erschien, im wesentlichen betreut von Bernhard Echte, zwischen 1992 und 1995 eine kommentierte Neuausgabe der Romane und Erzählungen.
(Schweizer Lexikon CH 91)



Glauser, Friedrich, * 4. 2. 1896 Wien, † 8. 12. 1938 Nervi/Italien; Grabstätte: Zürich, Friedhof Manegg. - Erzähler u. Kriminalschriftsteller.

Der Sohn eines Schweizers u. einer Österreicherin wuchs unter schwierigen familiären Bedingungen in Wien auf. Ab 1906 besuchte er das k. u. k. Elisabeth-Gymnasium u. kam 1910, um dem drohenden Schulausschluß zuvorzukommen, ins schweizerische Landerziehungsheim Glarisegg. Er konnte sich aber auch da nur schwer integrieren u. setzte seine Ausbildung am Collège de Genève fort. 1915 absolvierte er die Rekrutenschule bei der schweizerischen Gebirgsartillerie. Nachdem er den Gedichtband eines Lehrers abschätzig rezensiert hatte, verließ G. das Genfer Gymnasium u. bestand die Matura an einer Zürcher Privatschule. 1916 immatrikulierte er sich in Zürich als Chemiestudent, verkehrte im Kreis der Zürcher Dadaisten (Hugo Ball, Ernmy Hennings, Hans Arp u.a.) u. versuchte sich auch selbst als Schriftsteller (Novelle Ein Denker. In: »Die Schweiz«, Jg. 1916, S. 435-439).
1918 gelang es dem Vater, G. wegen »liederlichem und ausschweifendem Lebenswandel« entmündigen zu lassen. Als Morphiumsüchtiger wurde er bald danach in Genf u. in der psychiatr. Klinik Münsingen bei Bern erstmals interniert. 1919/20 hielt er sich bei Robert Binswanger im Tessin auf. Wegen Fahrraddiebstahls verhaftet, kam er im Juli 1920 ins Berner Insel-Spital u. dann in die Irrenanstalt Holligen. Nach einem Fluchtversuch, der Einlieferung ins Zürcher »Burghölzli« (Diagnose: »willensschwach, moralisch ungenügend entwickelt«) u. einer mißlungenen Bewährungsprobe als kaufmänn. Angestellter trat er Ende April 1921 in Straßburg der frz. Fremdenlegion bei. Nach zwei Jahren Dienst in Französisch-Nordafrika wurde er 1923 wegen eines Herzleidens ausgemustert. Nach zermürbenden Zwischenspielen als Casserolier in Paris, Bergarbeiter in einer belg. Kohlengrube u. Hilfspfleger im Irrenhaus von Tournai wurde G. im Mai 1925 als schwer morphiumsüchtig wieder nach Münsingen gebracht. Im Zuchthaus Witzwil, wohin er von den Berner Behörden überwiesen wurde, gewann er die Freundschaft von Anstaltsdirektor Kellerhals u. fand literarisch zu seinem eigenen Stil (Veröffentlichung von Kurzgeschichten durch Hugo Marti im Berner »Bund«).
Die folgenden zehn Jahre seines Lebens waren einerseits bestimmt durch eine nicht endende Serie von Internierungen, Bewährungsproben in verschiedenen Stellungen u. Berufen, Rückfällen in die Morphiumsucht, Entziehungskuren, Analysen usw. Andererseits aber entwickelte G. sein schriftstellerisches Vermögen gerade angesichts dieser Erfahrungen immer deutlicher zu jener eigenständigen Aussagekraft, die seine Texte prägt u. die wohl auf Elementen beruht wie Vertrautheit mit der Atmosphäre von Zuchthäusern, Irrenanstalten u. anderen Situationen des radikalen Ausgegrenztseins; Verständnis für die Not des Außenseiters, des kleinen Mannes, des Zu-kurz-Gekommenen; das Wissen um die Verführbarkeit des Menschen u. die Erfahrung der Brüchigkeit aller Normen, Gesetze u. Autoritäten. 1928 bis 1930 - G. lebte als Hilfsgärtner in Basel u. Winterthur - verarbeitete er in seinem ersten Roman Gourrama (Zürich 1940) seine Eindrücke von der Fremdenlegion zu einer spannenden, in sich stimmigen Darstellung, fand dafür aber, insbes. der wenigen homoerot. Passagen wegen, keinen Verlag. Nach wiederholten Rückfällen in die Drogenabhängigkeit u. nach einer kurzen Zeit als freier Schriftsteller in Paris schrieb G. 1934/35 in der Anstalt Waldau den Kriminalroman Schlumpf Erwin, Mord, worin er erstmals jene Figur des Wachtmeisters Studer einführte, mit der ihm der Durchbruch gelingen sollte. Studer ist ein behäbiger Berner Fahnder-Wachtmeister, strafversetzt u. bei den Vorgesetzten in Ungnade stehend, einer, der menschl. Wärme ausstrahlt u. im Delinquenten nicht in erster Linie den Verbrecher, sondern einen durch die Umstände zum Verbrechen Verführten sieht. Als Friedrich Witz den Roman 1936 in der »Zürcher Illustrierten« abdruckte u. im gleichen Jahr im Morgarten Verlag als Buch publizierte, änderte er den Titel in Wachtmeister Studer. Der Erstling fand solchen Anklang, daß G. sich dazu bewegen ließ, weitere »Studer«-Romane zu liefern: den Irrenhaus-Roman Matto regiert (Zürich 1936); Die Fieberkurve (Zürich 1938), die den Schweizer Fahnder bis nach Paris führt u. ihn gar Haschisch rauchen läßt; den als Beitrag für einen Wettbewerb geschriebenen Roman Der Chinese (Zürich 1939), worin G. wie in Wachtmeister Studer seine Erlebnisse aus der Lehrzeit in einer Gärtnerschule verarbeitete; Krock & Co. (Zürich 1941). Dieser letzte fertiggestellte »Studer«-Krimi hat das Appenzellerland zum Schauplatz. G. hatte die Gegend zusammen mit der dort gebürtigen Krankenschwester Berthe Bendel kennengelernt, die ihm 1936 den Ausbruch aus dem Teufelskreis von Sucht u. Verwahrung ermöglicht hatte u. mit ihm nach Frankreich (Angles bei Chartres, La Bernerie in der Bretagne, Collioure bei Perpignan) gezogen war, wo die beiden sich als Kleinbauern u. mit Schreiben durchbringen wollten. Am 7. 12. 1938 sollte an G.s letztem Aufenthaltsort Nervi bei Genua die Hochzeit stattfinden u. ihn endlich von der Bevormundung befreien. Einen Tag zuvor brach G., vermutlich infolge einer Überdosis Schlaftabletten, bewußtlos zusammen u. erlangte die Besinnung nicht wieder.
Nachdem die Lindtberg-Verfilmungen von Wachtmeister Studer (1939) u. Matto regiert (1947) G.s Namen in der Schweiz - von einer dt. Rezeption kann bis 1970 kaum die Rede sein - berühmt gemacht hatten, wurde es still um sein Werk, bis es nach 1968 als dasjenige eines bemerkenswerten Außenseiters u. verkappten, aber kompromißlosen Gesellschaftskritikers neu entdeckt wurde. Der Zürcher Arche Verlag brachte 1969-1974 eine von Hugo Leber betreute vierbändige, historisch-krit. Werkausgabe heraus u. verhalf G. damit erstmals auch über die Schweiz hinaus zu Lesern. Nach Lebers Tod setzten zunächst Charles Linsmayer (Morphium. Autobiograph. Texte. Zürich 1979) u. dann Frank Göhre (kommentierter Paperback-Reprint der Werkausgabe; ab 1983), Bernhard Echte u. Manfred Papst (Briefe. 2 Bde., Zürich 1988 u. 1989) die editorischen Bemühungen um G.s Werk fort. Herausragendes Ereignis der postumen G.-Rezeption war 1981 das Erscheinen von Gerhard Saners zweibändiger, über 900 Seiten umfassender Biographie (Zürich/Ffm.), die G.s Leben u. Werk minutiös darstellt u. analysiert u. der G.-Forschung unschätzbare Dienste leistet. All diese Anstrengungen führten Mitte der 80er Jahre, zusammen mit einer allg. Aufwertung der Gattung Kriminalroman im dt. Sprachbereich, dazu, daß G.s Werk weit über die Schweiz u. den deutschsprachigen Raum hinaus erstaunlich großes Interesse fand.

WEITERE WERKE: Im Dunkel. Basel 1937 (autobiogr. Ess.). - Mensch im Zwielicht. Neue Schweizer Bibl. Bd. 39, Zürich 1939 (autobiogr. Ess.). - Der Tee der drei alten Damen. Zürich 1941 (Kriminalroman, entstanden 1931-34). - Ali u. die Legionäre. Eine Erzählung aus Marokko. Zürich 1944. - Beichte in der Nacht. Ges. Prosastücke. Zürich 1945. - Dada, Ascona u.a. Erinnerungen. Zürich 1976. - Wachtmeister Studer. Neu hg. v. Ch. Linsmayer. In: Frühling der Gegenwart. Bd. 17, Zürich 1982. - Wachtmeister Studers erste Fälle. Kriminalgesch.n. Hg. Frank Göhre. Zürich 1986. - Die Kriminalromane in 5 Bdn. Nachw. v. Hugo Loetscher. Zürich 1988.
Im Limmat-Verlag erschien, im wesentlichen betreut von Bernhard Echte, zwischen 1992 und 1995 eine kommentierte Neuausgabe der Romane und Erzählungen.

LITERATUR: Friedrich Witz: F. G. In: Mensch im Zwielicht. Zürich 1939. - Martha Ringier: Erinnerungen an F. G. In: Die Ernte, Nr. 26, Basel 1945/46. - Dieter Fringeli: F. G. In: Dichter im Abseits. Zürich 1974. - Hugo Leber: Annäherung an F. G. In: Werkausg. Bd. 1, Zürich 1974. - Eveline Jacksch: F. G., Anwalt der Außenseiter. Diss. Bonn 1976. - Hardy Ruoss: F. G. Erzählen als Selbstbegegnung u. Wahrheitssuche. Diss. Bern 1979. Ders.: Nachw. zu Wachtmeister Studer, a.a.O. - Frank Göhre: Zeitgenosse G. Zürich 1988.
(Bertelsmann Literaturlexikon)