Zwei Begriffe erinnern an den Amerikaner William Sidney Por-ter, der am 11. September 1862 in Greensboro, North Carolina, geboren wurde, am 5. Juni 1910 in New York starb und seine short stories seit 1899 unter dem Pseudonym O.Henry veröf-fentlichte. Der eine, «Bananenrepublik», fand sich erstmals in seiner Erzählsammlung «Cabbages and Kings» von 1904, die, auf einem Aufenthalt in Honduras beruhend, in der fiktiven Re-publik Anchuria spielt, deren Präsident mit einer schönen Frau und dem Staatsschatz das Weite sucht und beides an einen cleveren Yankee verliert. Der zweite, «O.Henry-Twist», meint die überraschende Wendung, die seinen kurzen Erzählungen auf pfiffige Weise ihre Pointe verleiht.
Nicht nur die Pechvögel seiner Geschichten, auch die Überra-schungen gehörten zum Leben O.Henrys, der fast alle Berufe und Dimensionen der damaligen USA kannte. Früh mutterlos, wuchs der Arztsohn bei Verwandten auf und erwarb mit 19 eine Lizenz als Apotheker. In Texas war er Cowboy, in Austin wurde er Kassierer und Journalist. 1887 heiratete er die tuberkulöse 17jährige Athol Estes, die ihm eine Tochter schenkte und nach 10 Jahren starb. Als Mitarbeiter der First National Bank in Au-stin handelte er sich eine Anklage wegen Unterschlagung ein, floh nach Honduras, kam der kranken Frau wegen wieder zu-rück und sass ab 1898 in Ohio eine Zuchthausstrafe ab. Da entstanden seine besten Geschichten, und als er 1901 vorzeitig freikam, wurde er beim New York Sunday Magazine innert kur-zem zu einem der meistgelesenen Autoren des Landes. «The four million» heisst, nach der damaligen Einwohnerzahl New Yorks, seine beste, 1906 erschienene Sammlung, in der die Stadt in berührenden Szenen zum Leben erwacht. In «Das Geschenk der Weisen» etwa, wo Jim und Della, um sich zu überraschen, an Weihnachten das Schönste versetzen, was sie haben – sie ihre langen Haare, er seine goldene Uhr – und sich genau mit dem beschenken, was sie nun nicht mehr brauchen können: Kämme und eine goldene Uhrkette.