Legendär wurde der am 8.September 1873 in Laval geborene Alfred Jarry durch den Skandal, den am 10.Dezember 1896  die Uraufführung des ursprünglich als Schülerstück konzipierten  «Ubu Roi» auslöste. Obwohl es als Vorläufer des absurden Theaters und als Fanal für die Gewaltpolitik des 20.Jahrhunderts gilt, ist allerdings das Drama über den  brutalen Dickwanst Ubu, der mittels Massenmord zum König von Polen aufsteigt und  mit seinen  Spiessgesellen am Ende halb Europa in Angst und Schrecken versetzt, nicht halb so geistreich wie Jarrys übrige, weniger bekannte Werke.
«Messaline», der 1901 publizierte Roman um die exzentrische Gattin des römischen Kaisers Claudius,  ist auf  blasphemisch-parodistische Weise ein Hymnus auf den Phallus als göttliches und tierisches Symbol, eine sinnliche Hommage an Gott Priap, der das Leben, aber auch den Tod verkörpert. «Le Surmâle»/«Der Supermann» von 1902 nahm  als Vision des Jahres 1920 den Rekordwahn von 1900 auf die Schippe, während der posthum veröffentlichte «roman néoscientifique» «Gestes et opinions du Docteur Faustroll, pataphysicien» einen tscherkessischen (!) Gelehrten vorführt, der, an die Figuren Paul Scheerbarts erinnernd,  auf einem 12 Meter langen Bett aus lackiertem Kupfer   «über das Meer von Paris nach Paris» reist  und mit den ebenso skurrilen Gefährten Panmuphle und Bosse-de-nage die wildesten Abenteuer erlebt. So ermöglicht es die «Pataphysik», dass Faustroll (was ebenso «Faust-Troll» wie «Faust drôle» heissen kann) auf die Grösse einer Milbe zusammenschrumpft und auf einem Kohlblatt mit einem Wassertropfen zusammenstösst.
Jarry selbst machte vor allem als Velofahrer Furore – sein «Clément luxe 96» war stets mit dabei – und schoss schon mal an einem Dîner auf einen  missliebigen Gast. «Gebt mir bitte einen Zahnstocher», sollen seine letzten Worte gewesen sein, als er am 1.November 1907 arm und fast vergessen 34jährig in Paris an Tuberkulose starb.