«Sie sprangen schäkernd und sich jagend nach dem See zu und waren ausserordentlich vergnügt.» Riebisch, Knecht im «Neuem Krug»  am Wannsee,  konnte nicht wissen, was das für ein Paar war, das derart ausgelassen tat. Auch nicht, dass die Frau in einem  Brief gemeldet hatte,  sie befänden  sich «in einem sehr unbeholfenen Zustand, indem sie «erschossen dalägen», und der Mann seinerseits erklärt hatte: «Die Wahrheit ist, dass mir auf Erden nicht zu helfen war.» 
Er hatte schon immer am Abgrund gelebt, dieser  Heinrich von Kleist, der 1802 von einer Insel im Thunersee aus die Verlobte mit den Worten «Ich habe keinen anderen Wunsch als  bald zu sterben» verabschiedet hatte. Am 18. Oktober 1777 in Frankfurt an der Oder geboren, war er damals 25 Jahre alt und eben da-ran, der militärischen eine literarische Karriere folgen zu lassen. Mit Werken, die allesamt die Erschütterung spiegelten, die nicht nur sein Leben, sondern auch sein Zeitalter bestimmte: «Der zerbrochene Krug», der auf groteske Art die irdische Gerechtig-keit in Frage stellt, «Penthesilea»,  die Tragödie der  Kriegerin, die den Geliebten aus Missverständnis tötet, «Prinz  Friedrich von Homburg», das Drama des unbotmässigen, aber siegrei-chen Offiziers, die Novelle «Michael Kohlhaas», die einen Gedemütigten bis zum bittern Ende sein Recht suchen lässt, «Die Familie Schroffenstein», die  mit dem Bild vom Paradies untergeht, das nicht vor, sondern hinter dem Menschen liege.
Das Stadttor von Würzburg stürze nur nicht ein, «weil alle Steine auf einmal einstürzen wollen» , hat Kleist 1800 vermerkt, und so sah er wohl die ganze Welt. Bis es ihm, mittellos und angesichts von Preussens drohendem Untergang, am 21.No-vember 1811 zuviel wurde und er mit Henriette Vogel den Tod suchte. «Du wirst begreifen», hatte er Cousine Marie von Kleist geschrieben, «dass meine ganze jauchzenden Sorge nur sein kann, einen Abgrund, tief genug, zu finden, um mit ihr, der verstehenden Freundin,  hinab zu stürzen.»