«Andre, die das Land so sehr nicht liebten, /warn von Anfang an gewillt zu gehn; /ihnen – manche sind schon fort – ist besser, /ich doch müsste mit dem eignen Messer / meine Wurzeln aus der Erde drehn.» Die Verse enstanden 1938 in Wien nach Hitlers Einmarsch, und ihr Autor war wie kein anderer verwurzelt in der Landschaft  Österreichs und in der Realität der von Krisen und Not geprägten Zeit.
Theodor Kramer war am 1.Januar 1897 in Niederhollabrunn als Sohn eines jüdischen Arztes geboren worden,  hatte als Soldat 1916 in Wolhynien schwere Verwundungen erlitten und war  Student und Buchhändler gewesen, ehe er sich 1929 mit «Die Gaunerzinke»  als populärer, aber engagiert linker Lyriker etabliert und von da an mit Publikationen in Zeitschriften und Zeitungen durchgeschlagen hatte. 
Längst hatte sich eine «Theodor-Kramer-Gesellschaft» gebildet, die den lyrischen Anwalt der Tagelöhner, Steinbrecher, Vaganten und Verdingkinder mit monatlichen Beiträgen unterstützte, aber den neuen Machthabern war er nicht nur als Jude, sondern auch seiner Gedichte wegen ein Dorn im Auge. Insbesondere die Antikriegsgedichte «Wir lagen in Wolhynien im Morast» von 1931 galten als gefährliche, da süffig lesbare Diskreditierung des Militarismus. Auf die Liste des unerwünsch-ten Schrifttums gesetzt und mit seiner Frau, der Schauspielerin Inge Halberstam, aus der Wiener Wohnung vertrieben,  machte er im Herbst 1939 einen Selbstmordversuch, überlebte aber und konnte  dank der Hilfe Thomas Manns nach London ausreisen. Zunächst als «feindlicher Ausländer» interniert, publizierte er 1943 als  Bibliothekar am College von Guildford den erschütternden Band «Verbannt aus Österreich» und fand nach dem Krieg trotz Vereinsamung und Depression zur überragenden Form der Sammlungen «Die untere Schenke» und «Lob der Verzweiflung». Eben nach Österreich heimge-kehrt und mit dem «Preis der Stadt Wien» geehrt, starb er am 3.April 1958 in Wien an einem Schlaganfall.