Als Hermann Bahr  «Die Überwindung des Naturalismus» forderte, konterte der 19-jährige Student Karl Kraus  1893 mit einem Aufruf «Zur Überwindung des Hermann Bahr». So streitlustig betrat der jüdische Fabrikantensohn, der nach allerlei abgebrochenen Studien sein Betätigungsfeld als  – wirtschaftlich stets unabhängiger – angriffig-kritischer Journalist und Redaktor fand, die publizistische Bühne, von der jahrzehntelang nicht mehr wegzudenken war. Sein leidenschaftlicher Hass galt all denen, die sich an der deutschen Sprache versündigten. «Die deutsche Sprache ist die tiefste, die deutsche Rede die seichteste», verkündete er, und in der Zeitschrift «Die Fackel», die er von 1899 bis 1936 herausgab und von 1912 an auf sein eigenes Schreiben einschränkte, steigerte er sich zum wortgewaltigen Kämpfer gegen alles Verlogene, Heuchlerische und Unechte.
Wobei er nicht im Elfenbeintum des Literarischen blieb, sondern den Mächtigen seiner Zeit den Spiegel vorhielt.  So machte er aus der «Kriegsfackel» und aus seinen legendären Vorlesungen die satirische Tragödie «Die letzten Tage der Menschheit», die auf 760 Seiten zeigte, mit was für zynischen und hinterhältigen Methoden die Menschheit in die Apokalypse des 1.Weltkriegs befördert worden war. Mit der im Heft «Warum die Fackel nicht erscheint» 1934  teilweise veröffentlichten «Dritten Walpurgisnacht»  aber lieferte er  eine «Prognose der Hitlerzeit», der die späteren Jahre nach dem Urteil Friedrich Dürrenmatts «nur noch Quantitatives beifügen konnten». 
Schade nur, dass Kraus im rechtslastigen  Kanzler Dollfuss, und nicht in der  linken antifaschistischen Bewegung, das Gegenmittel gegen  Hitler sah. So  dass er, als er am 12.Juni 1936 erst 62jährig starb, für viele österreichische Intellektuelle vom «Hohepriester  der Wahrheit»,(Georg Trakl)  zum Parteigänger eines repressiven Ständestaats geworden war.