Es hört sich schon selbst wie eine Saga an: Da  verlässt der 19jährige Halldór Gudjónsson nach dem Tod des Vaters, ausgestattet mit dem letzten Familiengeld, 1922 Island und die Mutter. Wird  Katholik und Mönch in einem luxemburgischen Kloster, tritt wieder aus und verfasst auf Sizilien sein Meisterwerk «Der grosse Weber von Kaschmir», lernt in den USA bei Upton Sinclair,  was soziales Engagement ist, kehrt im Triumph nach Hause, erhält ab 1930 auf Lebenszeit ein staatliches Dichtergehalt und macht, nicht zuletzt dank dem Nobelpreis von 1955, Island unter dem Namen des väterlichen Hofes,  Laxness, zu einem Ort der modernen Literatur.
«Salka Valka» von 1931/32 ist  eines der grossen proletarischen Epen des 20.Jahrhunderts, «Sein eigener Herr» (1935) eine wuchtige Beschwörung des bäuerlichen Unabhängigkeitswillens, die Trilogie «Islandglocke» (1943-46) die Geschichte der isländischen Selbstfindung, während «Gerpla» von 1952 in neckischer Verfremdung der alten Heldenmythen eine Art isländischen «Tell für die Schule » darstellt  und das erstaunlich opulente Spätwerk die Schärfe der kommunistisch inspirierten Gesellschaftskritik gegen die versöhnliche Weisheit des Taoismus eintauscht. Den Nobelpreis aber erhielt Laxness für den 1948 publizierten Roman «Atomstation», der  einem nur scheinbar naiven Bauernmädchen in meisterlicher Rollenprosa das Missfallen der isländischen Bevölkerung über die amerikanische Besetzung und militärstrategische Einbindung der Insel in den Mund legt.
In seinen letzten Werken verliess Laxness in durchaus avantgardistischer Weise auch den sicheren Grund des realistischen Erzählens und zeigte sich in Büchern wie der «Litanei von den Gottesgaben» als Meister der literarischen Collage. Konventionell blieb er nur in der 1975-1980 entstandenen Autobiographie, die das Leben dieses dichterischen Naturtalents, das am 9.Februar 1998 mit 96 Jahren zu Ende ging,  ohne jede Schönfärberei nacherzählt.