«Fekisi ist anders als die andern Jungen in Lesotho. Wer die Welt erschaffen hat, will er wissen, was der Sinn des Lebens sei. Die Antworten, die ihm die Religion seines Landes geben kann, befriedigen ihn nicht, und als eine Stimme ihn heisst, Gott zu suchen, wandert er bis zum Meer und begegnet da weissen Siedlern, die ihn das Christentum lehren. Und vor dem Altar der Kirche erscheint ihm Christus und sagt ihm zu, dass er ins himmlische Reich aufgenommen werde.
«Moeti oa Bochabela»/«Der Reisende nach dem Osten» heisst der Roman, mit dem 1907 der 31jährige Verlagsangestellte Thomas Mokopu Mofolo im Verlag der evangelischen Mission in Morija/Lesotho debütierte. Zur Freude der französischen Missionare, die das bereits in ihrer Zeitschrift abgedruckte erste literarische Werk in lesothischer Sprache als Beitrag zu ihrem Missionierungswerk verbuchten. Das galt auch für Mofolos zweites Werk, den schönfärberischen religiösen Dorfroman «Pitseng» von 1910, nicht aber für das dritte, den 1912 beendeten Roman «Chaka». Nach dem Modell eines 1812 verstorbenen Zulu-Königs erzählt er da die Geschichte eines Hirtenjungen, der mit Hilfe von Zaubermitteln ein legendärer Kämpfer und mächtiger König wird, sich mit Brutalität an der Macht hält und seinem Ehrgeiz sogar Frau und Mutter opfert. Sterbend prophezeit er die Ankunft der Weissen und dass sie an Stelle seiner Feinde herrschen würden, die nicht weniger blutrünstig waren als er selbst.
Obwohl «Chaka» ohne weiteres mit «Macbeth» verglichen werden kann und afrikanische überzeugend mit europäischen Traditionen verknüpft, weigerte sich der Verlag, der es als Verherrlichung des «heidnischen» Afrika sah, das Buch zu drucken. Als es 1925 stark gekürzt doch noch erschien, hatte Mofolo längst zu schreiben aufgehört und lebte als Betreiber einer Getreidemühle in Teyateyaneng. Und als er am 8.September 1948 starb, hatte er keine Ahnung, dass er einer der wichtigsten Autoren des neuen Afrika war.