Clemens Brentano, als Mitherausgeber von des «Knaben Wunderhorn» d e r romantische deutsche Dichter par excellence, sah in seiner früh verstorbenen Mutter Maximiliane lebenslang das verlorene Urbild seiner Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit und suchte in seinen Liebesbeziehungen untentwegt danach. Bei Caroline Schlegel lernte er 1798 eine Frau kennen, die ihm «ganz, körperlich und geistig», als das Abbild der Verstorbenen erschien: Sophie Mereau, geborene Schubart, die damals 28jährige Gattin des Jenaer Philosophie- und Rechtsprofessors Friedrich Ernst Karl Mereau.
Schiller hatte 1791 Gedichte der musisch gebildeten Beamtentochter publiziert, im Roman «Blüthenalter der Empfindung» hatte sie 1794 das Recht der Frau auf freie Liebeswahl gefordert, und tatsächlich liess sie sich 1801 als erste Frau Sachsen-Weimars von ihrem Gatten scheiden, zog ihre Tochter allein auf, arbeitete als Autorin und Übersetzerin und unterhielt Liebschaften im ganzen Romantikerkreis. Auch Clemens von Brentano heiratete sie 1803 erst, als sie von ihm schwanger war, kam seinem Wunsch nach einer kinderreichen Familie dann aber so weit entgegen, dass sie noch zwei weitere Kinder gebar und kaum mehr zu eigener literarischer Arbeit kam. Sie edierte mit ihrem Mann zusammen spanische und italienische Novellen und übersetzte Boccaccios «Fiametta» so kongenial, dass sich bis heute niemand anderer an eine Übertragung gewagt hat. An der vierten Schwangerschaft starb Sophie Brentano dann am 31.Oktober 1806 in Heidelberg im Alter von erst 36 Jahren.
«Einmal lieb’ ich und einmal leb‘ ich, unsterbliche Götter!/ Wenn ihr mir das Eine raubt, nehmt auch das andere dahin!» lautete eines ihrer Gedichte, und scheinbar haben in der Euphorie der Romantik Gebete noch gewirkt, hatte sie doch kurz vor ihrem Tod einer Freundin verraten, dass die Ehe mit Brentano für sie die Hölle sei ...