Am 12.Juli 2006 um 18 Uhr 30 wurde an der Kastanienallee 27 in Berlin -Charlottenburg eine Tafel enthüllt: «In diesem Haus lebte und arbeitete von 1959 bis 2000 die Schriftstellerin Johanna Moosdorf (12.7.1911 Leipzig – 21.6.2000 Berlin). Im Mittelpunkt ihres Schaffens stand der unaufgearbeitete Faschismus im Alltag und dessen Kontinuität in Deutschland. Besondere Aufmerksamkeit fanden ihre unkonventionellen Frauengestalten.»
Weil die Lyrikerin 1932 den jüdischen Politologen Paul Bernstein geheiratet hatte, wurde 1933 der Druck ihres Erstlings verboten. Als ihr Mann verhaftet und in Auschwitz ermordet wurde, floh sie mit den zwei Kindern ins «judenfreie» Protektorat Böhmisch-Mähren. Bis 1950, als ihre  Zeitschrift «März» wegen «Kosmopolitismus» verboten wurde, lebte sie in Leipzig,  dann als freie Schriftstellerin in Westberlin. Für den Roman «Nebenan», der aus weiblicher Sicht zeigt, was von der Argumentationsweise der Nazizeit den Untergang des Dritten Reichs überlebt hat, erhielt sie 1963 den Nelly-Sachs-Preis, in «Freundinnen» verband sie 1977 die zeitgeschichtliche Optik mit einer lesbischen Liebesgeschichte.  Eindrucksvoll sind aber auch kürzere Texte wie die Novelle «Die lange Nacht» von 1991, in der Rudolf, ein blinder Kriegsveteran, die Geschichte seiner Blindheit und seiner verlorenen Liebe erzählt.
Am engagiertesten, kühnsten war Johanna Moosdorf  in ihrer (lebenslang gepflegten) Lyrik. In «Der Turm» aus den «Neuen Gedichten» von 1983 etwa, wo als Folge nicht der Technik oder der Politik der Menschen, sondern als Resultat «der tödlichen Strahlung ihrer Gehirnkultur» eine Katastrophe wie die folgende denkbar wird: «Abbild einer Zerstörung: /In ein mächtiges Mauerwerk/schlagen Blitze/ die Dachkrone bricht/ der Bau wankt im Feuersturm/ Funken sprühn/ aus den Höhlen der Fenster/ stürzen die Menschen / – seltsam und grün/ die Landschaft ringsum/ Wird sie es bleiben?»