1929 erschien in Helsinki ein schwedischer Gedichtband, der den Titel «Idealrealisation» trug und unter Idealisierung des Banalen den Bankrott aller Werte und Traditionen nach der Katastrophe des Weltkriegs zum Ausdruck brachte. Im Titelgedicht z. B., das die Verse enthielt: «Der Ausverkauf der Ideale/ – ihr sagt, er habe schon begonnen / aber ich sage:/ wir müssen die Preise noch weiter senken.» Verfasser der Gedichte, die ein Rezensent als «infantiles geistesschwaches Geschwätz» diskreditierte, war der am 29.Juli 1908 im russischen Wyborg geborene Henry Parland. Er sprach Russisch und Deutsch und lernte erst Schwedisch, als die Familie 1912 nach Helsinki gezogen war, wo er 1927 das Abitur machte und Jurisprudenz zu studieren begann. 1928 publizierte er in der Zeitschrift «Quosego» erste Gedichte, geriet aber nach dem Tod seiner Freundin in eine Krise und brach das Studium ab. Im Mai 1929 trat er eine Stelle als Sekretär am Schwedischen Konsulat im litauischen Kaunas an. Dort befasste er sich mit den Theorien der russischen Formalisten und arbeitete am unvollendet gebliebenen Roman «Sönder» («Zerbrochen»), dem er den Satz «Dieses Buch ist vielleicht ein Plagiat von Marcel Proust» voranstellte. In einer Art «Auferweckung der Toten» sucht da ein Erzähler auf stupend moderne Weise Erinnerungsfetzen an die tote Freundin Ami einzufangen. Ami starb, kurz nachdem sie zu einem vereinbarten Kinobesuch nicht erschienen war und der Erzähler sie mit hohem Fieber zu Hause angetroffen hatte. Auch Parland selbst vereinbarte Anfang November 1930 mit einer Freundin einen Kinobesuch. Als er nicht erschien, fand die junge Frau ihn in seinem Zimmer mit hohem Fieber und fast bewusstlos. Kurz darauf, am 10.November 1930, starb Henry Parland 22jährig im Spital von Kaunas an Scharlach. «Eins noch, /dann schlagt mich meinetwegen tot: / die Lokomotiven!/ Ich verstehe nicht viel von ihnen, / aber ich liebe sie! / Schwartzkopf Hanomag Demag / Lokomo Tammerfors Linne und Jern.»