Er war der Archetyp des urbanen italienischen Intellektuellen, dieser ernst dreinblickende ewige Jüngling Cesare Pavese, der sich seine Herkunft aus den piemontesischen Langhe zugute hielt, die Hügellandschaft aber schon im Erstling «Paesi tuoi» 1941 zum Schauplatz eines brutalen, alle bäuerliche Idyllik zer-schmetternden Geschwistermords machte. Im Stil von Amerikanern wie Dos Passos oder Faulkner nota bene, deren Werke er dem Faschismus als Übersetzer entgegenstellte. Schon 1935 hatte er, nach Kalabrien verbannt, sein Tagebuch «Das Hand-werk des Lebens» begonnen, in dem er sein Werk und sein privates Schicksal spiegelte. Frauen waren nicht nur das tragische Thema von Romanen wie «La bella estate» und «Il diavolo sulle colline», sie bestimmten als eine archaische Wildnis evozierende, ebenso verehrte wie unerreichbare Wesen auch sein Leben. Wobei die Frustration ganz banale Gründe hatte. «Für den Mann, der zu rasch ejakuliert, wäre es besser, er wäre nie geboren», vertraute der Dichter, für den selbst die Langhe noch nackte Frauen verkörperten, dem Journal an. «Es ist ein Gebrechen, für das sich die Mühe lohnt, sich zu töten.»
1945, als Fernanda Pivano seinen Antrag abwies, verwand er die Enttäuschung nochmals, 1950 aber, als die Schauspielerin Constance Dowling eine turbulente Romanze mit der Rückkehr nach Amerika beendete und ihm 15 Jahre Frauenbekanntschaften wie 15 Jahre Scheitern vorkamen, «lohnte sich die Mühe»: Am 26.August 1950, 10 Tage vor dem 42. Geburtstag, tötete er sich im Turiner Hotel Roma mit einer Überdosis Schlafmitteln.
Nicht nur sein Leben, auch sein Werk hatte den Zenit überschritten. Über die Ich-Erzählerin des letzten Romans, «Tra donne sole», spottete Italo Calvino: «Von Anfang an merkt man, dass Du es bist, mit Perücke und falschem Busen.» Und ohne-hin waren es nicht seine Romane, sondern seine Gedichte, die ihn am sichersten überleben würden und in deren letztem er Constance Dowling zu seinem Todesengel machte: «Der Tod wird kommen, /und er wird deine Augen haben.»