«Der Bauer ist hierzulande Freiwild. Wer sich nicht wehrt, hat nichts zu melden. Nicht mal das Kind kriegt seine Milch von der Mutter, wenn es nicht schreit!» Was der Grossbauer Ramsewak verkündet, tönt für den Kleinbauern Hori zwar verführerisch. Und doch bleibt er mit seiner Autoritätsgläubigkeit und seiner Demut lebenslang ein Verlierer, büsst Haus und Hof ein und besitzt, als er stirbt, nicht mal genug, um den Godan zu erfüllen, d.h. dem Brahmanen die Kuh zu schenken, die ihn in die andere Welt begleiten soll. «Godan», der Roman, mit dem der Inder Munshi Premtschand alias Dhanpat Rai 1936 sein Meisterwerk – und eines der wichtigsten Werke der Hindi-Literatur – vorlegte, ist nicht bloss ein Bauernroman. Wie er den Niedergang der Bauern anprangert, beklagt er auch die Verwestlichung der Städter, die die Tradition dem Mammon opfern, und stellt nur ein paar Idealisten wie den Philosophiedozenten Mechta und die Ärztin Malti als vorbildliche moderne Inder im Geiste Mahatma Gandhis dar.
Am 31.Juli 1880 in der Nähe von Benares geboren, hat der Bauernsohn Rai auch selbst früh Armut und Unterdrückung kennengelernt. Mit 15 wurde er verheiratet, mit 16 musste er nach dem Tod des Vaters als Lehrer seine ganze Familie erhalten. Als er 1918 ohne amtliche Erlaubnis Kurzgeschichten publizierte, wurden die Bücher verbrannt. Erst 1918, mit «Sevasadan» («Das Haus des Dienens»), konnte er sich als Autor etablieren. Unter prekären sozialen Bedingungen gab er die Literaturzeitschrift «Schwan» heraus und schrieb weitere Werke wie die Romane «Rangabhumi» («Die Bühne», 1925) und «Karmabhumi»(«Die Stätte des Handelns», 1923) sowie die 203 Novellen von «Manasarovar» («Der Manasasee», 1936-1962). Und eben «Godan», den Roman, mit dem kurz vor seinem Tod am 8.Oktober 1936 die romantischen Vorstellungen vom indischen Bauer zerstörte und dem Land jenen selbstbewussten, aber bescheidenen Weg wies, um den es auch Jahrzehnte später noch immer ringt.