«Ich will zerstören, nicht um aufzubauen, sondern nur um zu zerstören. Weil die Zerstörung mein Dogma, mein Glaube, meine Verehrung ist.» Mit dem todgeweihten Studenten Wronski, dem Zögerer Ostap und den Verbrechern Okanek und Botko setzt Gordon, die Hauptfigur des Romans «Satans Kinder» von 1887, seine Stadt in Brand und träumt davon: «Nur mehr noch! Noch mehr! Das ganze Land, die ganze Welt zu zerstören, das wäre das grosse Glück!»
Dieser Feldzug gegen das Spiessertum ist ein Extremfall im Werk des Polen Stanislaw Przybyszewski, geboren am 7.Mai 1868 in Lojewo, gestorben am 23.November 1927 in Jaronty. Seit 1890 lebte er in Berlin und gehörte als typischer Vertreter des Fin-de-siècle dem Kreis um Munch, Dehmel und Strindberg an. Die Rebellion, mit der er in Berlin und später in Krakau Jünger sammelte, war eine Religion der Kunst, die im Sinne eines orgiastischen Pansexualismus «die nackte Seele» wecken wollte, um den Mann in der ekstatischen Verehrung schöner Frauen Erfüllung oder Tod finden zu lassen. In einem Stil, den Dehmel «Chopinisieren» nannte, geschieht das in Romanen wie «Totenmesse», «Auf den Wegen der Seele» oder «Homo sapiens». «Androgyne» (1900) ist eine schmachtende Hommage an eine jünglingshafte Frau, «Der Schrei» setzte 1917 Munchs gleichnamiges Bild halluzinierend in Sprache um.
Przybyszewskis Muse war die Norwegerin Dagny Juel, Autorin von Dramen wie «Der Stärkere» und «Sünden», die er 1893 als 26jährige heiratete und die 1901 von einem Liebhaber erschossen wurde. Neues Liebesobjekt war Jadwiga, deren geprellter Ehemann Jan Kasprovicz ihm in der polnischen Literatur bald den Rang ablaufen sollte. Den zungenbreche-rischen Namen Przybyszewski bis heute wachgehalten hat nicht ein eigenes Werk, sondern «Sache Danton», das 1931 uraufgeführte Drama seiner illegitimen Tochter Stanislava Przybyszewska (1901-1935), das 1983 von Andrzej Wajda verfilmt worden ist.