Ohne die Zigarette im Mund  und die leicht schief aufgesetzte Baskenmütze war er unvorstellbar: Jacques Prévert, geboren am 4. Februar 1900 in Neuilly-sur-Seine,  für das französische Publikum  jahrzehntelang der lyrische Poet und Versemacher par excellence. Juliette Gréco , Yves Montand und viele andere sangen seine Lieder, das  Kino verdankte ihm die Drehbücher zu  Filmen wie «Quai des brumes», «Les visiteurs du soir» oder  «Les enfants du paradis».
Den grössten Erfolg aber erntete 1945 sein Gedichtband «Paroles»,  in dem sich ganz unmittelbar aktuell die Euphorie und Aufbruchsstimung der Befreiung von der deutschen Besetzung zu manifestieren schien, obwohl die Verse  zum Teil schon 1930 entstanden waren. Der Band würde höchstens ein paar junge Leute aus Saint-Germain-des Prés interessieren, hatten die  Buchhändler prophezeit,  aber schon nach einer Woche mussten 5000 Exemplare nachgedruckt werden, und bis zum Tod des 77-jährigen am 11.April 1977 blieb der Band  in immer neuen Auflagen lieferbar.
Man freute sich an sinnlich-frohen mediterranen Liebesgedichten wie «Alicante»(«Une orange sur la table/Ta robe sur le tapis/Et toi dans mon lit/Doux présent du présent/ Fraîcheur de la nuit/Chaleur de ma vie»)  und liess die Gedichte, die aus der Vorkriegszeit stammten und den Surrealisten und Weggenossen von Queneau und Duhamel charakterisierten, als Kuriositäten im Hintergrund stehen. Auch der Pazifismus und die harsche Gesellschaftskritik, die die Familie und die Schule als Teile eines chauvinistischen repressiven Systems diskredititerten, verblassten in den Augen der Leser vor der im Schlussteil zelebrierten optimistischen Lebensfreude, die in einer «Unser Vater»-Parodie sogar der Blasphemie noch etwas Spasshaft-Beglückendes abzugewinnen verstand: «Notre Père qui êtes aux cieux/Restez-y/ Et nous resterons sur la terre/Qui est quelquefois si  jolie....»