Am 10.März 1938 kam im Zürcher Limmathaus unter Mitwir-kung von 800 Sängerinnen und Sängern die Kantate «Jemand» zur Uraufführung. Ein Ereignis, dessen Wucht sich auch in den folgenden Aufführungen, die von mehr als 20 000 Personen besucht wurden, niemand zu entziehen vermochte. «Rettet den Menschen, rettet die Welt vor der Barbarei», lautete das hymnische Finale, und für die Beteiligten war klar, dass die zu Holzschnitten von Franz Masereel  geschaffene Kantate ein Protest gegen all das war, was in Deutschland damals an Barbarei heraufzog.
Und was die Schöpfer des Werks auch ganz persönlich betraf. Tibor Kasics (1904-1986), der Komponist, musste unter dem Pseudonym Viktor Halder auftreten, weil er die Einbürgerung nicht gefährden wollte,  während der Autor des Texts, der am 20.Mai 1902 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Dresden geborene Hans Sahl,  den Auftrag ohne Aufenthaltsbewilligung  im ungeheizten Estrich eines Küsnachter Bauernhauses erfüllte und dann auf dem Umweg über Paris an die Premiere kam, wo  ihm ein Lorbeerkranz mit roter Schleife überreicht wurde. Dann musste er wieder nach Frankreich ausreisen, wurde 1939 interniert, konnte aber mit Hilfe des «American Rescue Commitee» 1941 nach New York entkommen, wo er sich eine Existenz als Korrespondent und Übersetzer aufbaute und in Büchern wie «Wir sind die Letzten» (1976) und in den «Memoiren eines Moralisten» (1983) die Erlebnisse in der Nazizeit protokollierte und das Exil zu einem nicht mehr endenden geistigen Zustand erklärte. Erst 1990, zweieinhalb Jahre vor seinem Tod am 27. April 1993, kehrte er  nach Europa zurück und erlebte angesichts des neu erwachten Interesses an der Nazizeit ein erstaunliches Comeback, war er doch inzwischen tatsächlich einer der Letzten geworden, die von der Barbarei, gegen die seine Kantate «Jemand» seinerzeit gerichtet war, noch aus eigener Anschauung berichten konnte