Zu den vergeblichen Versuchen, Hitlers Armeen in Belgien zu stoppen, gehört ein Angriff der 4.Kavalleriedivision der 9.Französischen Armee, deren berittene Schwadronen im Mai 1940 von den deutschen Panzern gnadenlos niedergemäht wurden. Einer der wenigen, die überlebten, war der 27jährige Claude Simon, der in deutsche Gefangenschaft geriet, aber freikam, weil er, am 10.Oktober 1913 in Tananarivo als Sohn eines französischen Offiziers geboren, angab, madagassischer Herkunft zu sein. Eine Szene aber blieb ihm von jener Schlacht unvergesslich in Erinnerung: wie sein Oberst, hoch zu Ross, den Degen gezückt, auf der Strasse nach Flandern tot zusammenbrach.
1960, in «La Route des Flandres», hat Simon – mit Büchern wie «Vent» (1957) und «L’Herbe» (1958) längst ein führender Vertreter des nouveau roman – sie wieder aufgegriffen. Rittmeister de Reixach, von seiner Frau Corinne mit einem Jockey betrogen, begeht, indem er sich absichtlich den deutschen Gewehren aussetzt, aus Verachtung und Enttäuschung Selbstmord. Seine Geschichte und die aller übriger Beteiligter ist aber nicht linear erzählt, sondern unter stilistischer Umsetzung der zertrümmernden Wirkung des Krieges nach Art des nouveau ro-man in unzählige, nur assoziativ verbundene Momente zerschlagen. Nicht anders, als wie das auch in Simons anderen Werken der Fall ist: in «Le Palace» von 1962, wo der Spanische Bürgerkrieg thematisiert ist, in «Histoire» von 1967, einer labyrinthischen Evokation der individuellen und kollektiven Geschichte anhand alter Postkarten, oder in «Les Géorgiques»   (1981) und «L’Acacia» (1989), wo die zwei Weltkriege nochmals bruchstückhaft aufscheinen. – Claude Simon, der am 6.Juli 2005 in Paris starb, zählt zu den Autoren, die mit ihrer Modernität nicht nur die Werke der Zeitgenossen, sondern auch die vieler Nachgeborener alt aussehen lassen. Dafür aber nahm er es, wie er am 1985 in seiner Nobelpreisrede erklärte, in Kauf, dass eine Mehrzahl der Leser seine Bücher als «schwierig, langweilig, unlesbar oder wirr» ansehe.