«Ich lese ihn nicht, um ihn zu lesen, sondern um an seiner Brust zu liegen», hat Kafka von Strindberg gesagt, und in der Tat musste ihn ein Werk wie die am 21.Januar 1908 in Stockholm uraufgeführte «Gespenstersonate»  in ihrer grotesken Modernität förmlich elektrisieren. Reale Gestalten und Gespenster zugleich,  rechnet eine Familie mit der Vergangenheit ab und wird das Gewesene so alptraumhaft gegenwärtig, dass das Künftige chancenlos ist. Und dies, obwohl nur die Spitze des Eisbergs sichtbar ist und die jüngste Figur, der Student, einmal sagt: «Manchmal kommt eine rasende Begierde über mich, alles auszusprechen, was ich denke. Aber ich weiss, dass die Welt zusammenbrechen würde, wenn man aufrichtig wäre.» Nicht zuletzt am Unglück mit den Frauen leidet er, das auch Strindberg lebenslang quälte. Und nennt der sterbenden Geliebten gegenüber als Grund dafür: «Weil du krank bist im Ursprung des Lebens.»
Am 22. Januar 1849 als Sohn eines Reeders in Stockholm geboren und nach Versuchen in Philosophie, Medizin und Journalismus 1879 mit «Das rote Zimmer» als Autor berühmt geworden, verkörpert August Strindberg mit seinen 60 Dramen, 10 Romanen und 10 Erzählbänden die Euphorie und die Depression seines Jahrhunderts,  schrieb aber immer aus eigenem Erleben heraus. Mit Siri von Essen, Frida Uhl und Harriet Bosse je längere oder kürzere Zeit unglücklich ver-heiratet, war er keineswegs der Frauenfeind, für den ihn viele hielten, sondern rang leidenschaftlich mit der weiblichen Seele um Verständnis, Hingabe und Liebe. «Der Vater», «Fräulein Julie»,  «Totentanz» sind Zeugnisse dieses Ringens,  obwohl sie als Schlüsselwerke von Naturalismus und Expressionismus zugleich Theatergeschichte geschrieben haben. 
«Jetzt ist alles Persönliche vorüber», waren am 14.Mai 1912 Strindbergs letzte Worte und der Beginn eines Nachruhms, der noch immer nicht  museal wirkt, sondern als eine niemals zu  tilgende  Provokation  weiter für  Unruhe sorgt.