«Sie kämpfte mit ihren Sätzen, diesen langen Sätzen, die so exakt gebaut werden mussten.» Dass niemand Gertrude Stein und ihren eigenwilligen, repetitiv-assoziativen Stil – «A Rose is a rose is a rose is a rose» – besser kannte als die Frau, die unter dem Namen Alice B. Toklas ihre Autobiographie vorlegte, liegt auf der Hand. Denn «The Autobiography of Alice B.Toklas» ist mitnichten der Bericht von Gertrude Steins mexikanischer Sekretärin und Lebenspartnerin über deren eigenes Leben und dasjenige der berühmten Freundin, sondern wurde von Gertrude Stein 1933 unter Vorgabe der fiktiven Autorschaft von Alice B. Toklas Wort für Wort selbst geschrieben. Das Spektakuläre an dem Buch sind dabei nicht die Kindheit der 1874 in Pensylvania als Tochter deutscher Juden geborenen Gertrude Stein, die Studienjahre beim pragmatistischen Psychologen William James, das Anatomiestudium und die turbulenten Londoner Jahre, sondern die Begegnungen, die sie ab 1909 in ihrem Pariser Salon mit Künstlern wie Matisse, Juan Gris oder Picasso oder mit Autoren der amerikanischen «lost generation» wie Ernest Hemingway, John Dos Passos oder Ezra Pound hatte.
Neben der «Autobiography» am charakteristischsten für die am 27.Juli 1946 in Paris verstorbene Vorreiterin der literarischen Moderne ist vielleicht der 1906 bis 1908 entstandene, aber erst 1925 publizierte Roman «The Making of Americans», der aus einer traditionellen Familiensaga unvermittelt in jene nicht endende Suada von Mustern, Varianten und Wiederholungen überkippt, für die Gertrude Stein legendär wurde. Hemingway, der den Roman ins Reine tippte und davon ganz schön für sein eigenes Schreiben profitierte, gehörte übrigens zu denen, die sich später nicht genug hervortun konnten, die ebenso exzentrische wie geniale Autorin ins Lächerliche zu ziehen. So parodierte er ihre «Rosen-Sentenz» mit: «a stone is a stein is a rock is a boulder is a pebble.»