«Der Untergang des europäischen Humanismus fand in Novi  Sad an der Donau, in der Hauptstadt der serbischen Woj-wodina, statt, und beschrieben hat ihn der Serbe Aleksandar Tisma im Pentateuch der in eben diesem Novi Sad situierten Romane «Der Gebrauch des Menschen»,  «Die Schule der Gottlosigkeit», «Blam», «Kapo» und  «Treue und Verrat». Mit dem harmonischen Zusammenleben von Serben, Ungaren, Juden und Deutschen war die Stadt ein Abbild des  liberalen, aufgeklärten, friedlichen Europa gewesen, bis die ungarischen Faschisten im Januar 1942 den schönen Traum in einem  entsetzlichen Blutbad enden liessen.  
«Wenn sich in der Literatur jemand nicht an seine innere Wahrheit hält, ist er verloren»,  hat Tisma  im Juni 2000, zweieinhalb Jahre vor seinem Tod am 16.Februar 2003, dem «Kleinen Bund» gesagt.  Und hat sich ein Leben lang an daran gehalten. In den frühen Tagebüchern, die erst nach seinem Tod herauskamen und wo er  sich 1942  unbeschönigt als sexgierigen Dandy inmitten des  Holocaust beschrieb. Aber auch später, im Pentateuch, den er nicht hätte schreiben können, wenn nicht das Trauma des unverdient Überlebenden ihn getrieben hätte. «Wäre es nicht die redlichere und glücklichere Lösung gewesen, in die Reihen derjenigen zu treten, die untergingen», heisst es 1948 im Journal, und Tisma ist nur deshalb in der Lage, das ganze Spektrum des Schrecklichen aufzurollen und Opfern wie Tätern gerecht zu werden, weil er nicht nur die Wut, sondern auch die Scham und die Schande nachzuempfinden vermag.
Zum Weltautor aber ist der am 16.Januar 1924 im jugoslawi-schen Horgos geborene Sohn eines Serben und einer ungari-schen Jüdin, der nach Arbeitslager und Armee als Lektor und Journalist arbeitete, nicht des Themas wegen, sondern darum geworden, weil er unter Nutzung aller künstlerischen Möglich-keiten nicht nur dem  Dunkel-Tragischen, sondern auch der Sinnlichkeit, ja bisweilen dem Humor, Raum zu geben wusste.