Nicht in Sachen Vollendung, aber in Sachen Engagement gehört der am 17.Mai 1978 in mit 92 Jahren verstorbene Armin T.Wegner zu den deutschen Geistesgrössen des 20.Jahr-hunderts. 1918 forderte Wegner, der nach der Promotion zum Dr.iur.  im 1.Weltkrieg als Sanitäter Zeuge des türkischen Völkermords an den Armeniern geworden war, US-Präsident Wilson in einem offenen  Brief zum Eingreifen auf.  Bis 1933 kämpfte der Verfasser hinreissender Stadtgedichte («Die Strasse mit den tausend Zielen», 1924) auf Seite der Pazifisten gegen das Erstarken der militaristischen Rechten und wirkte mit seinen Berichten von Reisen in alle Welt bewusst völkerversöh-nend. Als Hitler an die Macht kam, protestierte er in einem ins Braune Haus nach München geschickten Brief gegen die Judenverfolgung: «Herr Reichskanzler! Als ein Deutscher, dem die Gabe der Rede nicht geschenkt wurde, um sich durch Schweigen zum Mitschuldigen zu machen, wenn sich sein Herz vor Entrüstung zusammenzieht, wende ich mich an Sie: Gebieten Sie diesem Treiben Einhalt!» Darauf wurde Wegner verhaftet, gefoltert und ins KZ verschleppt. 1934 konnte er nach England fliehen, lebte eine Zeitlang in Palästina und ab 1937 in Italien, wo er im Krieg unter falschem Namen eine Deutsch-professur innehatte. 1947, am 1.Deutschen Schriftstellerkon-gress in Berlin, hielt Ricarda Huch eine Gedenkrede auf den mutigen Kollegen, den man längst für tot hielt, obwohl er noch 30 Jahre in Italien weiterlebte und kaum mehr etwas schrieb, weil ihm das Ensetzen die Sprache verschlagen hatte.
Dass er all das durchhielt - den ohnmächtigen Zorn, die Rache der Mächtigen, die Erfolglosigkeit –, daran waren, wie er selbst bekannte, die Frauen schuld. Lola Landau, die ihn nach vielen Heimlichkeiten 1921 mit den Worten überfiel:«Ich bin gekom-men, um Deinen Wunsch, mit mir zu leben, mit der Erfüllung zu töten» – was immerhin 20 Jahre dauerte –, und Irene Kowalis-ka, die das Exil und das Vergessenwerden mit ihm  teilte.