«Alles, was Literatur war, war verwelkt», hatte Peter Weiss 1947 konstatieren müssen. «In der Forderung nach Wahrheit konnten nur noch die intimsten persönlichen Aussagen gelten. Tagebücher, Krankenjournale, Berichte aus Gefängnissen nahmen den Romanen die Kraft.» So wandte er sich erst dem Film und der Collage zu, ehe er1960/62 vom Schwedischen zum Deutschen überging und auf ebenso radikal moderne wie persönliche Weise Selbsterlebtes umsetzte: in «Der Schatten des Körpers des Kutschers» das neurotische Klima im Elternhaus, in «Abschied von den Eltern» den Vaterkonflikt, in «Fluchtpunkt» die Irrwege und Frustrationen im neutralen Schweden der Kriegszeit. Sein eigentlicher Fluchtpunkt war aber schon bald Auschwitz: «die Ortschaft, für die ich (als Jude) bestimmt war und der ich entkam». Was zugleich die Abkehr von der Selbstdarstellung und den Schritt zu jenem Engagement bedeutete, das er als Dramatiker zeitigte: im «Marat» (1964), wo er dem Individualismus de Sades den revolutionären Furor Marats gegenüberstellte, ihn durch den Schauplatz Irrenhaus aber auch wieder relativierte. Ganz unrelativiert erfolgte die Parteinahme dann aber im erschütternden Auschwitz-Oratorium «Die Ermittlung» (1965), im antikolonialistischen «Gesang vom Lusitanischen Popanz» und im «Viet Nam-Diskurs» von 1968.
1975 ging er wieder zur Prosa über. Unter dem Titel «Die Ästhetik des Widerstands» schrieb er bis 1981 in 3 Bänden anhand zahlreicher Schicksale den Roman der Arbeiterbewegung von 1918 bis 1945 und bezog dabei stets die Kunst als utopische Hoffnung und Gradmesser der Aufklärung mit ein. Was vollends absurd erscheinen lässt, dass ausgerechnet der am 8.November 1916 geborene und am 10.Mai 1982 verstorbene Peter Weiss am meisten Prügel bekam, als Emil Staiger 1966 der modernen Literatur vorwarf, «jede sittliche Gesinnung» vorloren zu haben und «nur noch im Scheusslichen und Gemeinen zu wühlen».