«Die moderne Zivilisation ist wie ein Flugzeug mit einem einzigen, defekten Motor.» Als H.G. Wells, 60, den Satz 1926 dem Titelhelden von «The World of William Clissold» in den Mund legt und ihn für eine technologisch-kapitalistische Weltrepublik plädieren lässt, ist viel von der Verve verloren gegangen, mit der er der Fortschrittseuphorie als gläubiger Sozialist einst die schwärzest-denkbaren Visionen entgegenstellte. «The Time Machine» hiess 1895 die berühmteste, die einen Zeitreisenden im Jahr 802701 eine Welt betreten lässt, in der die «Haves» und die «Have-Nots» von 1890 zu grausig-mörderischen Morlocks bzw. unbekümmert-opferwilligen Elois degeneriert sind. «The Island of Doctor Moreau» nahm 1896 zynisch die Möglichkeiten der Gentechnik vorweg, «The War of the World» liess 1897 Raumschiffe vom Mars landen und jene grässlichen Monster zum Albtraum werden, die noch 1938, als Orson Welles den Roman als Hörspiel bearbeitete, Millionen von Amerikanern das Fürchten lehrten. 1901, in «The First Men in the Moon» , trat Wells in die Fussstapfen von Jules Verne, legte aber auch auf dem Mond einen Schreckensstaat an, dem einer der zwei Mondflieger gerade noch entkommt, während der andere für immer verschwindet, nachdem er das Treiben der Seleniten per Funk zu enthüllen vermocht hat. Wells nahm aber auch jede Menge Fantasy-Gags voraus – die Sache mit dem Unsichtbarwerden z.B., die er 1897 in «The invisible Man» durchspielte – und führte 1909 in «Tono-Bungay» bereits auch die Strategien der Public Relation ad absurdum : der Titel meint eine total unwirksame Medizin, die den Werber Ponderevo aber zum Millionär macht.
Der Optimusmus von 1926 war nicht von Dauer. Hitler und der Holocaust übertrafen die düstersten Prognosen. Und in «Der Geist am Ende seiner Möglichkeiten», dem Buch, das kurz nach dem Tod des 80jährigen am 13.August 1946 erschien, liest man Sätze wie:«Unser zum Untergang bestimmter Ameisenhaufen ist hilflos»