2008  hat Franz Hohler  die Solothurner Literaturtage aufge-fordert, Urs Widmer für den Nobelpreis vorzuschlagen. Ein Ansinnen, das nur deshalb überrascht, weil da in eher un-schweizerischer Manier ein grosser Autor neidlos einem andern die Palme reicht – man stelle sich einen Dürrenmatt vor,  der  Frisch für nobelpreiswürdig erklärt! –, das aber von der Qualität, der Originalität, der Fülle und Vielfalt des in 40 Jahren entstan-denen literarischen Œuvres her fraglos berechtigt ist. 
Der am 21.Mai 1938 in Basel geborene  Lehrersohn promo-vierte 1966 über «die Prosa der jungen Generation», zu der er, inzwischen Lektor bei Suhrkamp,  bald auch selbst Wesentli-ches beisteuerte: im Prosaband  «Alois» (1968) und in Roma-nen wie «Die Forschungsreise» (1974) und «Die gelben Männ-er»(1976): Texten, die auf dem Höhepunkt des politischen En-gagements auf abgründig satirische Weise lustig und amüsant waren. Blosses Entertainment oder l’art pour l’art betrieb der wach beobachtende Zeitgenosse aber nie. Auch in seiner «klassischen Phase» seit 1992 nicht, als er  mit dem «Blauen Syphon»  zu einer hinreissend poetischen Zeitreise in die Kriegsjahre einlud, einen Mann einen kuriosen englisch-deut-schen «Liebesbrief an Mary» schreiben liess , im «Geliebten der Mutter» ein Stück Basler «Teig» entlarvte und zugleich eine heimliche Liebestragödie präsentierte, um im «Buch des Va-ters» dem glücklosen Walter Widmer eine Hommage zu schen-ken, die nicht zuletzt ein brillantes Stück Schweizer Zeitge-schichte ist. 
Widmer weiss sogar aus der Optik eines Zwergs zu erzählen, entpuppt sich aber, wenn er in Graz oder Frankfurt Poetik un-terrichtet, als ein Interpret, der die Professoren das Fürchten lehrt. Und ist nicht nur mit dem sensationell erfolgreichen Stück «Top dogs», sondern auch in seinen Reden ein unbestechlicher Analytiker der herrschenden Zustände, der aus einer Nobel-preisrede endlich wieder einmal mehr als eine Sonntagspredigt machen könnte.