«Es können angesichts der Wirklichkeit für den geistig-bewussten Menschen nur diese beiden Möglichkeiten sein: der christliche Mensch, für den die Welt durch Gott erlöst ist – oder der tragische Mensch, der keine Erlösung kennt, da er der Gnade entbehrt.» Eugen Gottlob Winkler, von dem die Erkenntnis stammt, gehörte eindeutig zur letzteren Möglichkeit. Am 1.Mai 1912 in Zürich geboren, wuchs er in der Nähe von Stuttgart auf, studierte Literatur- und Kunstwissenschaft und promovierte 1933  beim Romanisten Karl Vossler.  Seit 1932  hatte er Gedichte und Prosa zu schreiben begonnen, die im Sinne Valérys oder Georges einem elitären Formwillen gehorchten und so dem Chaotischen der Zeit widersprechen sollten. Am besten glückten ihm Reisebeschreibungen, die indirekt seine konservative Lebenseinstellung zum Ausdruck brachten. Weil er es verabscheute, einen Brotberuf auszuüben, lebte er als Rezensent einer Reihe von Zeitschriften wie «Hochland» oder «Die neue Rundschau» und machte sich einen Namen als glanzvoller Essayist und Porträtist von Geistesverwandten wie Hölderlin, Proust,  August von Platen oder Oberst Lawrence.
Vollkommen apolitisch, geriet Winkler dennoch schon im November 1933 mit dem Regime in Konflikt, als er beschuldig wurde,  ein NSDAP-Wahlplakat beschädigt zu haben. Der Gefängnisaufenthalt wühlte ihn so sehr auf, dass er  sich umbringen wollte  und von der Angst, die Staatsgewalt könne sich seiner wieder bemächtigen, nie mehr loskam. 1936 erschienen die «Legenden einer Reise», Winklers wohl schönste Prosatexte, in denen  ein Aufenthalt in Venedig zum Synonym für seine Kunst- und Lebensvorstellungen wurde.  Wenige Wochen später, am 26.Oktober 1936, nahm sich Winkler,  den  Walter Jens «den vielleicht letzten Europäer» genannt hat,  «dem es gelang, die Existenzform des Baudelaireschen Dandys noch einmal mit tragischer Würde, mit dem Pathos des Martyriums zu krönen», 24-jährig das Leben.