Wer verstehen will, was Barack Obama bedeutet, sollte Richard Wright lesen. Er hat mit rebellischer Kraft die Verzweiflung und die Frustration der schwarzen Amerikaner beschrieben, die auch zu seinen Lebenszeiten – er wurde am 4.September 1908 im Roxie (Mississippi) geboren und starb am 28.November 1960 in Paris – der Sklaverei noch näher standen als der effek-tiven Gleichberechtigung. «12 Million Black Voices» z.B., ein Buch, das Wright 1941 als Herausgeber des kommunistischen «Daily Worker» mit anderen zusammen schrieb und das 1948 als «Wir Neger in Amerika» in der Gestaltung Richard P.Lohses in der Büchergilde Gutenberg erschien. Der amerikanische Traum sei auf Kosten der Schwarzen geträumt worden, heisst es da: «Sie anerkannten uns nicht als Menschen, sie rissen uns von unserem heimatlichen Boden, belasteten unsere Beine mit Ketten, stopften uns wie Klafterholz in die üblen Löcher ihrer Segelschiffe und schleuderten uns in ein anderes, in ein frem-des und feindliches Land.» 
Sohn einer Lehrerin und eines Landarbeiters, fand Wright als Postbeamter und Arbeitsloser in Chicago zu seiner Schreibwei-se, die linkes Engagement mit dem Kampf für die schwarze Emanzipation verband. Bestsellererfolg war 1940 «Native Sun», die Geschichte von Bigger Thomas, der aus Angst vor der weissen Repression zwei Frauen ermordet. Erst 1993 wurde sichtbar, dass man die sexuellen Phantasien des schwarzen Protagonisten über weisse Frauen gestrichen hatte – Passa-gen, die mit Herzblut geschrieben sind, war Wright selbst doch zweimal mit weissen Frauen verheiratet. Zensuriert wurde auch die Autobiographie «American Hunger», von der zu Lebzeiten Wrights nur der erste Teil, «Black Boy», eine Kindheit im Zei-chen von «For Whites/For Colored»,  herauskam, während Teil 2, ein pessimistisches Bild des rassistischen Amerika von 1937 bis 1942, erst 1977 publiziert wurde. 1947, nach dem Bruch mit dem Kommunismus, zog Wright nach Frankreich, wo man ihn nicht als Schwarzen, sondern als grossen US-Autor wahrnahm.