«Eines der besten Bücher über Kinder, die ich gelesen habe», nannte Hermann Hesse den 1919 publizierten autobiografischen Roman «Jeremy» von Hugh Walpole, der die Aufzeichnungen 1923 um «Jeremy and Hamlet» und 1927 um «Jeremy at Crale» zur Trilogie erweiterten. Walpole, am 13. März 1884 in Neuseeland als Sohn des späteren Bischofs von Edinburg geboren, schildert darin einfühlsam die Kindheit und Jugend dieses Jeremy, der wie er selbst in Cornwall als Pfarrersohn aufwächst. Zusammen mit ihm bildet eine ganze Reihe von Figuren wie die kuriose Gouvernante Jampot, die Schwestern Helen und Mary, der gestrenge Vater, die bigotte Tante Amy und später dann die Lehrerschaft einer typischen Internatsschule einen vitalen, bunten und amüsanten Kosmos, wie ihn kein anderes Buch Walpoles in dieser Unterhaltsamkeit und Leichtigkeit wieder hervorbrachte.
Dies, obschon Walpole, der am 1. Juni 1941 in London starb, von seinen Zeitgenossen ganz anderer Werke wegen geschätzt wurde. Seine von 1730 bis 1930 reichende Tetralogie «The Herries Chronicle» (1930-1933) galt als eine Art romanhafter Gründungsmythos des modernen England, während «The Cathedral» (1922) in der Auseinandersetzung zwischen zwei Klerikern die Relativität, aber auch die Faszination des Religiösen in einer sich wandelnden Welt offenbar machte und «The dark Forest» (1916) als (vielleicht etwas zu verklärende) Quintessenz von Walpoles Einsatz als Sanitäter im Ersten Weltkrieg in Russland galt. Bloss mit dem ersten Satz in Erinnerung geblieben ist der Roman «Fortitude» von 1913, der am Beispiel des Autors Peter Wescott aufzeigt, wie ein Brite von echtem Schrot und Korn durch alle Verunsicherungen und Ängste hindurch am Ende doch zu sich selbst findet. «Der Reiter auf dem Löwen» hiess das Buch, als es 1930 deutsch erschien, und der erste Satz lautet: «Nicht das Leben ist wichtig, sondern der Mut, den man dazu mitbringt.»