«Vor 1914 gehört sie zu den Suffragetten von Edinburgh, die am 21. Dezember 1892 geborene Cicily Isabel Fairfield, Tochter eines Iren und einer Schottin. 1913 liest man von der angehen-den Schauspielerin im «Clarion» Sätze wie: « Es ist mir nicht gelungen, den Feminismus zu definieren. Alles, was ich weiss, ist dies: Ich werde von Leuten als Feministin bezeichnet, wenn ich mich nicht mit einem Fussabtreter verwechseln lasse.»  Sie ist die Geliebte von H.G. Wells,  dem 26 Jahre ältern Autor der «Zeitmaschine», aber der ist verheiratet, und so zieht sie den Sohn Anthony allein auf. Dass sie das nicht einfach wegsteckt, zeigt das Pseudonym, das sie sich zulegt, als sie 1918 mit «The Return of the Soldier» – der rührenden Geschichte eines Offiziers, der im Krieg das Gedächtnis verlor –  literarisch debü- tiert. Nach der Gesellschafterin, die in Ibsens «Rosmersholm» die geniale Titelfigur abgöttisch liebt und deren Ehefrau in Wahnsinn und  Tod treibt,  nennt sie sich Rebecca West.
In «The Judge»/«Die Richterin»  spiegelt sie 1922 in der Figur der  Marion, die von einem Gutsherrn geschwängert wird, aber dessen Butler heiratet , die Liebe zu Wells, weitet den Roman aber zu einem stark von Freud beeinflussten Familien- und Seelendrama aus.
Ohnehin hat Rebecca West als Journalistin  für die New York Herald Tribune und den Daily Telegraph Wichtigeres geleistet als mit ihren Romanen. So 1946 mit den  Berichten zu den Nürnberger Prozessen oder 1935-1938 mit ihren Jugoslawien-Reportagen, die 1941 unter dem Titel «Black Lamb and Grey Falcon»  als 1000seitiges Buch erschienen und als ihr Opus Magnum gefeiert wurden. 21 Jahre nach ihrem Tod am 13. März 1983 erschien «Schwarzes Lamm und grauer Falke» in Auszügen auch auf Deutsch. Wohl weil es mit seiner Bevorzu-gung der Serben  an Peter Handke gemahnt und weil die These, der Balkan sei ein «gewalttätiger Ort», wo «der Ursprung aller anderen Tode»  der jüngeren europäischen Geschichte zu suchen sei,  wie ein düsteres Fanal anmutet.