«Wenn mir die Kirche sagte, ich hätte nur ein Auge, dann würde ich dem zustimmen und daran glauben. Zwar weiss ich sicher, dass ich zwei Augen besitze, doch noch sicherer weiss  ich, dass die Kirche nicht irren kann.» Ein Spanier sagt das im 16.Jahrhundert in Evgenij I. Zamjatins Drama «Die Feuer des hl. Dominikus», aber 1922, als es in St.Petersburg erschien, lasen die Russen unweigerlich Partei statt Inquisition und bezogen die Aussage auf den Gesinnungsterror in der UdSSR. Weil der Roman «My»/ «Wir» erst 1927 (drastisch gekürzt) bzw. 1952 (integral) erscheinen sollte, konnte das Publikum nicht wissen,  dass Zamjatin die Parteidiktatur schon 1920 noch viel konsequenter ad absurdum geführt hatte: in den Notizen des Ingenieurs D-503, der in einem totalitären Staat der Zukunft eugenisch behandelt wird, weil er an den  Krankheiten «Seele» und «Phantasie» leidet und sich gegen die Wiederwahl des Wohltäters stellt . Völlig «geheilt», berichtet er zuletzt teilnahmslos von der Tötung seiner ebenso renitenten Geliebten.
Zamjatin, am 1.Februar 1884 im Gouvernement Tambow geboren, am 10.März 1937 in Paris gestorben, schrieb nicht nur die von Huxley und Orwell mit antikapitalistischer Stossrichtung kopierte Utopie «My». In der  Satire «Die Insulaner», 1916 in England verfasst , wischte er auch der prüd-verlogenen britischen Gesellschaft eins aus, während er mit der vielgespielten Komödie «Der Floh» 1925 auf witzig-originelle Weise das russische Volkstheater erneuerte.
1931 erhielt Zamjatin, der bereits 1921, in der Novelle «Die Höhle»,  das Leben im Kommunismus als Rückfall in eine vorzivilisatorische Höhlenexistenz denunziert hatte, die Erlaubnis zur Ausreise nach Paris. Auf Fürbitten Gorkis und auf Grund eines Briefes an Stalin, in dem es geheissen hatte: «Ich weiss, dass ich die unangenehme Gewohnheit habe, nicht das zu sagen, was im gegebenen Augenblick von Vorteil ist, sondern das, was ich für die Wahrheit halte.»